Gedankenwirrwarr & Ruhrpott

Meine ganz eigene Welt

Die Ruhruniversität Bochum und hätte ich mal was Anständiges gelernt

31 Kommentare

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Die Ruhruniversität Bochum (RUB). Achja. Ende 1983 habe ich mich dort eingeschrieben. Mathe und Maschinenbau. Wie viele Jahre ist dies nun her? Oh Gott, da reichen meine Finger nicht aus. Wo ist der Taschenrechner? Lassen wir das.

Wer Beton mag, ist hier genau richtig. Hier macht man echt nix falsch. Ein Eldorado für Betonliebhaber. Man genießt hier allerdings nie allein, außer es sind Semesterferien.

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40.000 Studenten streifen täglich durch diese Betonwüste, die 1965 ihr Lehrbetrieb aufnahm. Der Vater des schlichten Graus war der Architekt Helmut Hentrich. Der die Uni als „Hafen des Wissens“ verstand und so sollen die einzelnen Gebäude Schiffe darstellen und das Audimax an eine Muschel erinnern. Mich erinnert die Wissenshochburg nur an meinen ersten, großen Kulturschock. Ich verbrachte meine Kindheit und Jugend in einem kleinen sauerländischen Dörfchen inmitten von Feldern, Wäldern und Schlösschen mit knapp 600 Männekes sowie einem über alles erhabenen Schützenkönig. Und nun saß ich plötzlich mit über 500 angehenden Ingenieuren in einem Hörsaal. Ein paar Monaten zuvor hatte ich noch mein Abitur mit 10 Freunden in der kleinen Dorfschule bestanden. Und nun dies. Menschen, schlichter Beton und dazwischen zwei, drei verlorene Bäumchen. Vollkommen deplatziert.

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Aber neben all den jungen Leuten gab es noch reichlich Gänge, die zum Teil unter der Uni die einzelnen Gebäudeteile verbinden und ich mich ständig verlief. Ich mich in Vorlesungen wiederfand, die eigentlich nicht auf meinem Lehrzettel standen. Und es mir nur dadurch auffiel, dass plötzlich so viele Mädchen neben mir saßen und mich ein wohliges Gefühl überkam. Jap, hier bisse richtig. Medizin? Man lernt nie aus. Hier möchte ich verweilen, aber Fußekzeme und Fettleber war nun doch auf Dauer nicht meins. So quetschte ich mich wieder zwischen all den Jungs in den Mathe Hörsaal und träumte… Bis heute. Einmal da unten stehen und junge Damen lauschen meinen holden Worten und haben meinen Namen auf ihren Augenlidern tätowiert. Nagut, aber Schilder könnten sie doch hochhalten? Ist ja gut… Zurück…

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Ich zog nach Bochum. Erste, kleine Wohnung. Und verdingte mich in einer Live-Peepshow. Also so ein Ding mit drehender Platte und „Eine Mark Einwerf Kabinen für ne Minute“ unweit dem heutigen Bermuda3eck, das Kneipenviertel des Potts. Ach so…  nä, ich lag nicht auf Platte, ich legte welche auf und stand hinter dem Tresen. Großes Wort für Flaschenbier. Eigentlich warf ich ein Auge auf Hunde. Ohne Quatsch. Zur jeder vollen Stunde reckten und spreizten sich drei Damen gleichzeitig. Die Herren der Schöpfung kamen dann spätnachts in Scharen. Im Jogginganzug, mit ihren Hunden. Haben wohl Mutti daheim erklärt, sie gehen noch mal mit Fiffi Gassi. Und da stand sie ganz überrascht in einer Kabine, die Hosen voll… mit Kleingeld und ich mit ein Dutzend Hundeleinen in den Händen und lauschte… Irgendwie musste man ja an Geld kommen. Ich war jung. Die heutigen Studenten haben´s da halt einfacher: Mach was du liebst… Samenspender.

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Wollen wir nicht vom Thema abschweifen. Zurück zum interessanteren Teil, RUB. Der Betonklotz liegt inmitten des herrlichen Ruhrtals. Von der Mensa aus genießt man nicht nur Mahl sondern auch Natur.

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Den Kemnader See und das Muttental, die Wiege des Ruhrbergbaus. Hier wurde das erste Mal im großen Stil Kohle zutage gefördert. Bestimmt drei-, vierhundert Jahre her. So lange liegen natürlich meine Erinnerungen an die Uni nicht zurück. Nur, mir war sie zu groß und es war nicht mein Fach. Maschinenbau. So schrieb ich mich zwei Semester später in die kleine, aber feine Duisburger Uni ein. Betriebswirtschaftslehre. Was mich da geritten hat, weiß ich bis heute nicht. Hätte ich mal etwas Anständiges gelernt. Dann…

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Autor: rejekblog

Ich bin 1964 in Duisburg geboren und lebe fast die ganze Zeit im Ruhrpott. In meinem Blog möchte ich gerne etwas über den Ruhrpott erzählen und was hier so los ist. Und natürlich, was so in meinem Kopf los ist. Nicht viel, ich gebe es zu.

31 Kommentare zu “Die Ruhruniversität Bochum und hätte ich mal was Anständiges gelernt

  1. Schiffe und Muscheln? Ich habe auch 2,5 Jahre an der RUB verbracht, aber dieses maritime Thema blieb mir verborgen 😂 Schöner Post!

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  2. Dass das Anmutungen von Schiffen sind, habe ich nie gesehen und bin doch auch von 84 bis 87 da herumgeirrt…

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  3. Leider weiss man oft immer erst zu spät, was man viel lieber gelernt oder studiert hätte:-):-))…aber Dein Studentenjob!!! Herrlich….habs mir gerade bildlich vorgestellt:-))))))Liebe Grüße Corinna

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    • Danke dir. Vorweg, die Story ist wahr. Wie alles, was ich hier erzähle. Lass mich mich nicht lügen, ich meine so fünf Monate habe ich dort gearbeitet. Habe eine Unzahl von tollen zum Teil närrischen Damen kennen gelernt. Ulkige Zeit. Und ja, ich glaube, es sah wirklich komisch aus. Wie ich Wassernäpfe füllte und nicht Bier verkaufte. Da saß ich auf einem Hocker, starrte vor mich hin, halbdunkler Raum, sanfte Musik, Pornofilm-Gestöhne aus den Filmkabinen und ich hatte Hundeleinen in der Hand und die Rauhaardackel sabberten den Fußboden voll, während Herrchen…
      Ich mag solche Situationen. Damals. Heute bin ich froh, alles mal gemacht zu haben.
      Sowie https://rejekblogblog.wordpress.com/2017/10/12/hellblau/
      Hätte mich vielleicht besser auf eine berufliche Karriere konzentriert
      Liebe Grüße, Peter

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  4. Sounds like some concrete, with a lot of stories.. (save for the semester break) 🙂

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  5. Hallo Peter,
    toller Bericht…und wir haben eine Gemeinsamkeit….ich habe es dort auch Versucht…2 Semester Philosophie auf Lehramt…und kam aus einem kleinen Dorf im Münsterland…im Bermudadreieck war ich folgerichtig oft…Frust ersaufen weil ich weder mit der Architektur noch mit meinem Studienfach klarkam..dann schmiss ich hin und zog auf die Kante…genau zwischen Dortmund und Bochum (Dortmund Marten) , das hatte den Vorteil das per Rad sowohl das Bermudadreieck als auch die Dortmunder Nightlife Szene erreichbar waren…und das Photostudium war architektonisch das volle Kontrastprogramm…statt brutaler Betonklotz stillgelegte Zeche (Dorstfeld) ohne funktionierende Heizung und Löchern in den Scheiben…Tja, war trotzdem besser und ich habe es dort nicht bereut….würde aber heute gerne in der Rückschau mit deiner Überschrift dieses feinen Blogbeitrages aufmachen 🙂
    Wünsche dir noch einen schönen Sonntag,
    Lieber Gruss, Jürgen

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    • Hallo Jürgen,
      vielen Dank für deine netten Worte.
      Manchmal frage ich mich, ob es überhaupt jemand geschafft hat in Bochum zu Ende zu studieren.
      In Dortmund Marten war ich beruflich mal ne Zeit sehr häufig. Ha, die Welt ist klein, bzw, der Pott. Sollte ich noch mal hin um Erinnerungen aufzufrischen. Dorstfeld kenne ich auch ganz gut.
      Naja, und der Job. Leider ist man erst später in allem viel Schlauer, aber ich bezweifele, dass man mit dem heutigen Wissen, es damals besser gemacht hätte. 🙂
      Liebe Grüße Peter

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  6. Hallo Peter,
    ich war neulich mal wieder in Do.Marten…ist nicht wirklich schöner geworden….und Dorstfeld erst recht nicht…aber ich bin als Neuhamburger vielleicht auch zu verwöhnt…und ja, im Nachhinein ist man immer klüger…ob es allerdings bei einer anderen Berufswahl wirklich entscheident besser gelaufen wäre … nicht zwangsläufig….
    Ich wünsche dir eine schöne Woche,
    lieber Gruss, Jürgen

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    • Hallo Jürgen
      ich glaube es auch nicht. Nur mit meinem heutigen Wissen über alles, hätte ich mir 1984 Apple Aktion gekauft. Dann wäre heute meine Berufswahl Playboy. 🙂
      Liebe Grüße

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  7. Vielen Dank hierfür! Was für eine post-apokalyptische Welt eine Uni ohne Studenten doch ist.
    Mich hätte es fast nach Bochum verschlagen, hätte ich statt Kunst- lieber Theaterwissenschaft nach einem Semester abbrechen wollen…

    Ich glaube, der Architekt hat die Wuppertaler Uni nach den gleichen Blaupausen gebaut – und trotzdem hat Bochum das Label: „Betonwüste und Selbstmorde unter Studenten“ abbekommen – arme Stadt, armes Hochschulmarketing…

    Ab und an stehen zu bleiben und zurück zu gucken ist ein guter Plan – nur um zu sehen, wie weit man sich entfernt hat.
    Hindsight is a gift.

    In Wuppertal reißen sie gerade mein altes Gymnasium ab, Asbest, als ob es da keine dringlicheren Probleme gegeben hätte… ich wünschte, ich hätte mich mal reingeschlichen und noch ein paar Fotos gemacht…

    All the very best!

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    • Hallo Emily,
      ich freue mich von dir zu hören. Die Wuppertaler Uni kenne ich nur von weiten, wie der Betonklotz da oben über allem thront . Hatte nie das Bedürfnis während meiner kurzen Wupper-Zeit mit der Seilbahn rauf zufahren.
      Wenn man älter wird schaut man wohl ganz automatisch häufiger zurück. Was so weit auch nicht schlimm ist, solange man nicht anfängt mit: Hätte ich mal… Dann verirrt man sich.
      Liebe Grüße, Peter

      Gefällt 1 Person

  8. Den Betonstil nennt man ja auch Brutalismus, allerdings ohne es negativ zu meinen. Ich finde den Begriff ganz gut, weil seine Doppeldeutigkeit jedem sofort offenbar ist: Sich in einer solchen Umgebung aufhalten und lernen zu müssen, schärft auf brutale Weise den Selektionsdruck, dem Studenten sowieso schon ausgeliefert sind. Gut, wer da früh genug den Absprung findet, das ist es einfach nicht wert.
    Heute gibt es vielfache Anstrengungen, brutalistische Architektur unter Denkmalschutz zu stellen. Meinetwegen, ich bin auch dafür, aus historischen Gründen – bloß sich in solchen Gebäuden aufhalten zu müssen, das sollte man wirklich niemandem zumuten.
    Köstlich, Deine Erzählung über die inoffizielle Spermabank ohne Rendite.;-)

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    • Brutalismus. Jo, habe ich erst neulich darüber gelesen, aber den Begriff wieder vergessen – mein blödes, weiches Gehirn – danke. Die Ruhruni steht heute unter Denkmalschutz, weil sie wohl so herrlich brutal ist. Vielen Dank nochmals für die Erklärung. Ich stimme dir vollkommen zu, ein schönes Wort. Gefällt mir auch sehr.
      Und Werbung für Samenspender an ne Uni ist doch einfach nur klasse. Zielgruppe. 🙂 . Tja, und früher ohne Internet, musste man halt noch kreativ werden, warum man gerade für ein paar Minuten verschwinden musste. Ob das Internet zum Untergang der Rauhaardackel Kultur führte? Ein Titel für ne neue Doktor-Arbeit?
      Herzliche Grüße aus´m Pott

      Gefällt mir

  9. An der Ruhruni haben 75% meiner Cousinen-Kinder studiert. Ich habe mich einmal dank meines „Superorientierungssinnes“ heillos auf dem Gelände verlaufen – aber ich kann mich ja schon fast in meiner Wohnung verlaufen.

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  10. alter ey… das sieht ja echt noch aus wie früher 😀 (hab von 1985-87 gegenüber vom Maschinenbau -FB Tierpräparator gelernt und krieg hier gerade ganz heimatliche Gefühle)

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