Gedankenwirrwarr & Ruhrpott

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Emscher-Romantik und mir geht das Herz auf

37 Kommentare

Burg Vondern_Bottrop

Mir ist heute nach Romantik. So lebe ich das starke Gefühl einfach aus. Da kommt mir Burg Vondern in Bottrop gerade recht. Und so beginne ich mit: Es war einmal…

Um 1400 n. Chr. lebten auf der Burg Vondern der Edelmann Wessel von Loe mit seiner wunderhübschen Gemahlin Gostelyn und seiner kleinen, bezaubernden Tochter Jolant. Sie liebten und feierten das Leben. Aber Wessel war stets rasend vor Eifersucht.

Burg Vondern_Bottrop_Ritter_2

So unterstellte er seiner schönen Gattin ein Techtelmechtel mit dem grünen Ritter, einem schwarzen Zauberer auf der anderen Seite des Flüsschen Emscher. Der in seinem Zauberschloss hinter dem Emscherbrücher Wald gerne die Emschermädels verführte um sie dann ehrlos zurück zulassen. Gostelyn wehrte sich gegen die haltlose Bezichtigung und bot ihrem Gemahl an über die Waghalsbrücke zu gehen, die nur derjenige unbeschadet überschreiten kann, der reinen Herzens ist. So ging sie erhobenen Hauptes über die Brücke ohne Geländer und erreichte sicher das andere Emscherufer. Doch ihr Mann zweifelte weiter an ihrer Aufrichtigkeit. Vor Kummer und Gram stürzte sich Gostelyn in den Fluss. Ihren leblosen Körper fand der grundlos argwöhnische Gatte Tage später.

Wessel von Loe verfiel vor Schmerz dem Wahnsinn und war überzeugt, dass auch seine Tochter, in den kommenden Jahren, den Verführungen des grünen Ritters erliegt. So schloss er mit seinem Freund von Garen zu Sienbeck ein Packt. Wenn Jolant im heiratsfähigen Alter sei, soll sie sich für einen der beiden Söhne des Freundes entscheiden, ehelichen und die Gegend verlassen. Johann oder Dietrich waren gemeint. An ihrem 15. Geburtstag musste Jolant ihre Wahl treffen. Die Burg Vondern war geschmückt und reichlich Hochzeitsgäste standen voller Vorfreude und Erwartung in dem großen Burg-Saal. Johann ein großer, kräftiger, gutaussehender Bursche, Dietrich eher schmächtig, hager und mit rotem Haar. Zum Erstaunen aller, entschied sich Jolant für Peter…äääh… Dietrich und gab ihm einen leidenschaftlichen, begierigen Kuss. Niemand konnte es glauben und man unterstellte Dietrich schon vorher die edle Maid betört und verführt zu haben.

Burg Vondern_Bottrop_Ritter

Jolant wehrte sich gegen die Behauptungen und ging wie ihre Mutter über die Waghalsbrücke um ihre Reinheit zu beweisen. So verschwand auch sie im Wald. Dietrich folgte ihr von Sorgen geplagt. Über Stock und Stein, Wiese und Wald. Stand er bald vor dem dunklen Schloss des grünen Zauberers. Dessen Tore bewacht von zwei gewaltigen, schwarzen Rittern. Der mutige Edelmann zog sein Schwert und streckte sie nieder. Er fand letztendlich seine Geliebte mit reinem Herz. Der Grüne Ritter stürmte herbei, aber auch er konnte der Wucht des Schwertes und den wahrhaftigen Gefühlen nicht standhalten und starb durch einen kräftigen Hieb. Aus seiner Wunde quoll schwarzes Blut. Auf dem Weg zurück zur heimischen Burg wandelte sich Wiese und Wald in einen herrlichen Liliengarten. Die Blumen vergingen und weiße Tauben erblühten statt ihrer. Sie flogen hoch hinaus in die Lüfte. All die Seelen, der leidgeprüften und geschändeten Mädchen, die sich vor Scham in der Emscher ertränkten, waren nun frei.

Jolant und Dietrich feierten ein berauschendes Fest.

Burg Vondern_Bottrop_Glas

Diese Magie dieser unverfälschten, reinen Liebe spürt man noch unweit von Burg Vondern. Nur einen Steinwurf entfernt befindet sich die Kläranlage Bottrop, die übrigens zu den schönsten Anlagen in Europa zählt, und das kleine Emscher Wäldchen, in dem sich heute noch die Liebenden verewigen. Romantik pur. Besonders bei Nacht, wie sie nur an der Emscher geben kann, dieser einzigartigen Flusslandschaft.

Baum_Herz_Bottrop_2

Baum_Herz_Bottrop

Faultürme Bottrop

Emscher_1

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Bernepark

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Schon so manch ein Reisender konnte sich dem Zauber dieses, von Leidenschaft, Liebesglut, Lebenslust erfüllte, märchenhafte Emschertals nicht entziehen. So blieb er. Und verbrachte eine Nacht in einer stilvollen, lauschigen Umgebung mit seinem Herzenspartner in der umgestalteten, alten Bottroper Kläranlage an der Emscher und der Berne, der kleinen, malerischen Köttelbecke. Bei Mondschein und Rotwein kann man dem treibenden Gut in dem beschaulichen, abgeschiedenen Flüsschen nachblicken und ganz verträumt an Jolant und Dietrich denken.

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Und wenn sie nicht gestorben sind,… Da geht mein Herz auf.

Berne

Schild_Lebensgefahr

Bildnachweis

Die kleinen Kläranlagen Bilder Emschergenossenschaft / Foto: Peter Rejek

Das Schild ist von Sabine und mir (Angeberei)

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Autor: rejekblog

Ich bin 1964 in Duisburg geboren und lebe fast die ganze Zeit im Ruhrpott. In meinem Blog möchte ich gerne etwas über den Ruhrpott erzählen und was hier so los ist. Und natürlich, was so in meinem Kopf los ist. Nicht viel, ich gebe es zu.

37 Kommentare zu “Emscher-Romantik und mir geht das Herz auf

  1. 😀 Na das ist mal ein Mix von Märchen und Realität 🙂 Grüne gefährliche Ritter aus Leidenschaft und die Bottroper Kläranlage … Ich lach mich schlapp. Sehr schön!

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  2. Also Romantik und Kläranlage in einen Zusammenhang bringen, das geht nur im Pott:-)) herrliche Geschichte:-) und wunderbar erzählt:-)) Liebe Grüße Corinna

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  3. Bis zu dem rauschenden Fest habe ich mich – bei den ganzen Eifersüchtigen, bösen Rittern und sterbenden Frauen – gefragt, wo denn der Teil mit der Romantik anfängt.
    Aber dann kam ja noch was 😉
    Deine Fotos und die Übernachtungsmöglichkeit in der Kläranlage entschädigt dann doch für die bluttriefende Geschichte. 😉
    Liebe Grüße
    Ps. tolles Schild … 😀

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  4. Sehr schöne Geschichte, vor einigen Monaten konnte ich mich selbst von dieser schönen Emscherromantik inspirieren lassen, wir waren auf dem ähnlichen Rundgang. Viele Grüße aus dem zur Zeit verregneten Kanada.
    Endlich einmal ein Tag ohne Fahrt und somit Ruhetag. Ist auch gut. LG Petra

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    • Hallo Petra,
      Tausend Dank.
      Hoffe das Wetter auf deiner Kanada Tour ändert sich bald. Und ein Tag Pause tut gut. Das kenne ich.
      Ich freue mich schon sehr auf deinen Bericht und deine Fotos. Lese deine Reise-Berichte sehr gerne.
      Liebe Grüße, Peter

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  5. Ich habe natürlich nicht vergessen, Burg Vondern angemessen zu bewundern und die schöne Emscher Landschaft zu würdigen, Peter, aber – ich hoffe, du verzeihst das – ich bin gnadenlos am grinsen, sobald ich nur erneut an deine Geschichte denke!
    Was für eine herrliche Kombination aus Wesen, die entweder gegen ihre Eifersucht nicht ankommen oder aber furchtlos ihre Liebste suchen, aus edlen Gemütern, die die Reinheit ihres Herzens nachweisen, einem Fluss samt Brücke und wichtiger Aufgabe – das alles in einem Zug mit der Erwähnung der Bottroper Kläranlage inkl. lauschiger Übernachtungsmöglichkeit im „Fass“. Köstlich! Herzlichen Dank für deinen erheiternden und zugleich informativen Beitrag in Wort und BIld!
    Er wird mir noch lang im Gedächtnis bleiben.

    Schönes Wochenende!
    LG Michèle

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    • Hallo Michèle,
      ich verzeihe… diesmal.
      Ich freue mich aber mal so etwas von, dass die kleine Geschichte dich zum Grinsen bringt und dich nicht nur unterhält, sondern du auch obendrein etwas Nützliches und Informatives über das Ruhrgebiet gelernt hast. Der Pott ist halt eine sagenhafte Landschaft, wie du nun weißt.
      Danke dir! Ich freue mich sehr – wahrlich. Und, dies sollte und darf nicht unerwähnt bleiben: ich freue mich immer von dir zu hören.
      Liebe Grüße, Peter

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  6. sehr cool, die Burg kenne ich noch gar nicht, wieder etwas Neues entdeckt, danke 🙂

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  7. Das ist ja spitze! Chapeau an die Damen und Herren, die das umgestaltet haben.
    Gibt es da auch Sanitäranlagen und ein Büdchen oder ist tatsächlich nur zum Übernachten?
    Wieder viel dazu gelernt. Vielen Dank und winkende Grüße in den Pott.

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    • Hallo Birgit,
      ich freue mich von Ihnen zu hören!
      Im Auftrag der Emschergenossenschaft, dem Betreiber fast aller Kläranlagen im Pott, hat der niederländische Künstler Piet Oudolf und das schottische Landschaftsarchitekturbüro GrossMax die stillgelegte Anlage in Bottrop-Ebel 2010 umgestaltet und „Theater der Pflanzen“ getauft. Die Gesamt-Anlage heißt BernePark.
      Auf einem Foto sieht man ein weißes Gebäude, die alte Maschinenhalle, dort befindet sich ein Restaurant mit allem Drum und Dran. Naja, viel ist es nicht. Bei den Röhren handelt es sich um Abwasserkanäle, so wie sie zurzeit überall verlegt werden, da die Emscher renaturiert wird. Geöffnet ist das Ganze nur im Sommer.

      Bei meiner letzten Erzählung „Fragen…“ war ich so frei, einfach mal ihre Unterwassertierwelt- Bilder zu erwähnen, da diese mich sehr beeindruckt hat. Vor allem, wie Sie so tolle, gestochenscharfe Aufnahmen durch eine Scheibe hinbekommen haben. Entschuldigen Sie, dass ich Sie nicht namentlich erwähnt habe. Passte aber gerade nicht in meine, damalige Gedankenwelt.

      Und: Ich habe zu danken.
      Liebe Grüße aus´m Pott, Peter

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      • Vielen Dank. Das ist als Idee ja wirklich irre. Schon das zweite lohnende Ziel im Pott. Vermutlich muss ich da doch mal hin. Grüße in selbigen.

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        • Wie? Nur zwei? Jetzt bin ich von mir enttäuscht. Da rede ich mir den Mund fusselig und Ihnen gefallen nur zwei Dinge. Ich mache etwas falsch.
          Spaß beiseite. Nun, der Pott ist zwar potthässlich, aber es gibt durchaus ein paar sehenswerte Highlights, die es so sonst nicht zu sehen gibt. Und der Menschenschlag ist auch schon sehr eigen: Sehr kontaktfreudig und labert gern, sehr viel. Hört sich halt selber gerne reden. Aber, das haben Sie ja schon bemerkt. Kommse vorbei. Sie werden sehen, es ist keine Zeitverschwendung. Versprochen.
          Viel Gruß nach Berlin

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  8. Jedesmal, wenn ich Deine Geschichten lese und die wunderbaren Fotos dazu sehe, bereue ich es aufs Neue, damals nicht viel mehr um meine kleine Duisburger Freundin gekämpft zu haben. Wer weiß, wie alles geendet hätte. 😉

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  9. Ay,
    Danke dir.
    Und, niemals mit Wehmut nach hinten blicken. Und schon gar nicht mit: Was wäre wenn.
    Es ist wie es ist.
    Liebe Grüße Peter

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  10. So romantisch und gleichzeitig „klärend“! Bravo

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  11. Richtig romantisch und schöne Bilder. Ich merke an deinen Geschichten, dass ich viel zu wenig von meiner alten Heimat kenne.

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  12. Was für ein wunderschönes Märchen! Und dann das Erwachen!
    Mir gefallen die Bilder und Worte sehr gut! Danke!

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