Gedankenwirrwarr & Ruhrpott

Meine ganz eigene Welt

Kuss

24 Kommentare

peter 1994

Ich lag gestern Abend auf meiner viel zu kurzen Couch, beobachtete meinen dicken Zeh, der gerade so dreist keck aus meinem Socken hervorlugte und fragte mich: „Soll ich einen Socken-Stopf-Kurs bei der VHS belegen?“ Und darauf folgte logischer Weise die Frage: „Warum küsst man sich? Also, woher kommt das?“

Habe mal gelesen, die bedeutendsten Entdeckungen in der Menschheitsgeschichte sei die Bändigung des Feuers, das Rad und die Nähnadel, denn nur durch sie haben wir die Eiszeit mit unseren zusammen gefummelten Felllfetzen überstanden. Da kann man doch sehen, wie wichtig ein Nähkurs seien kann. Naja, lassen wir das. Eins haben diese Erfindungen gemeinsam, wir haben nicht den blassesten Schimmer: Wer auf die glorreichen Ideen kam. Unbekannt. Und genauso wenig wissen wir, wer das Küssen erfunden hat. Die Schweizer? Naja. Obwohl, ich meine mal gehört zu haben, so richtig hat sich die Liebkosung erst mit der ordentlichen Mundhygiene durchgesetzt. Dank einer steinzeitlichen Kräuterpastille.

Abgesehen von den Eidgenossen fiel mir ein, dass Wissenschaftler einmal die These aufgestellt haben, dass es sich beim Kuss möglicherweise um den Austausch von Geruchs- und Geschmacksstoffen handeln könnte. Nur um zu sehen, ob dies der Begleiter fürs Leben sei. Abgeleitet von der Angewohnheit unsere Vorfahren sich gegenseitig am Hintern zu beschnuppern. Lang lebe die Evolution. Ich meine, es wäre doch reichlich konfus in so einer überfüllten U-Bahn und wäre obendrein furchtbar eng, wenn man sich ständig bücken müsste um…

Andere Forscher sind sich kusssicher, es läge an der Fütterung. Mama zerkleinerte zähneknirschend das Mammut und beförderte die Speichel beladene, pampige Masse in die Neandertal-Baby-Schnute. Dies fand er dann so atemberaubend, dass der Neandertaler-Bursche in jeder holden, felligen Maid seine Mudda wiedererkannte und sie sofort busseln musste.

Sind wir da nicht bei Freud? Keine Ahnung. Naja, Sigmund war allerdings davon überzeugt, dass Küssen angeboren sei. Ein Instinkt. Nach der Entdeckung des sabbernden Pawlowschen Hundes rückten die Wissenschaftler davon ab und glaubten mehr an gelerntes Wissen. Also ein gewollter Ausdruck der Zuneigung. Kaum hören wir ein Glöckchen, läuft uns schon das Wasser im Mund zusammen. Wobei, so ein übermäßig feuchter Kuss nicht besonders zielführend sei. Also, so fortpflanzungstechnisch gesehen. Denn 87 Prozent der Damen finden den forschen, feuchten Kuss als grauen und nicht erregend, vermuten einige Kuss-Kopfarbeiter. Wobei andere Schlauköpfe wiederum behaupten, dass die Damenwelt beim feuchten Kuss erst wahre Freude empfange, oder auch nicht, denn sie schmeckt über den Speichel den Testosteron Vorrat heraus und macht sich dann ihr eigenen Gedanken. Angeblich sollen zweidrittel der Damen danach dankend ablehnen. Also, nach dem ersten Kuss. Jetzt wird mir schlagartig einiges klar.

Feucht oder nicht feucht, das ist hier die Frage. Nun, die Gelehrten könnten sich ja einmal einigen, wie soll so ein Kuss-Bildungsferner, wie ich, denn nun den Weg zu den Sternen finden? Haben die nicht einen Bildungsauftrag? Ich kann mich noch gut daran erinnern, lang her, da wusste ich, die eigene Oma küsst man spontan, die Mitschülerin nicht, auf jeden Fall nicht einfach so, Ich meine, so spontan. Kann ins Auge gehen. Wusste ich allerdings erst nachher.

Dr. Sommer, mein damaliger Lebensnachhilfe-Lehrer, erklärte mir zwischen all den Berichten über Pickel, Petting, Pop-Musik und, ob Mädchen vom Küssen schwanger werde können, dass ich schadlos an meinem Handrücken üben könnte. Heute weiß ich, war ein blöder Tipp. Denn erst kürzlich lernte ich, und daran merkt man, wie weit ich mittlerweile dem Thema entfleucht bin, dass es die unterschiedlichsten Kusstypen gibt. Den Propeller, Elefant, Zahnmasseur, Schlabberer, Stupser oder den Passiven. Das hat mir mein Handrücken jetzt nicht verraten. Bis heute nicht. Bin ich nun ein schlabbernder, sabbernder, schwirrender Elefant?

Um dies zu erfahren, erfuhr ich, dass es heutzutage reichlich Kussschulen gibt, Anstatt mich bei der VHS für den mongolischen Steppen-Tanz „Tsam“ einzuschreiben, könnte ich ja mal dort mein Glück versuchen. Frage mich aber gerade, so ohne meine gelernten, unnachahmlichen Tsam-Tanzschritte, wie ich auf dem Ball der einsamen Herzen oder Ü50 Party voran komme. „Darf ich Sie um den nächsten Kuss bitten?“ Erinnert mich gerade an meinen blitzgescheiten Internet Dating Börsen Versuch. Achja…

Muss mich ja erst einmal bis zum ersten Kuss hinbewegen. Also, ich meine, so vor ihr stehen. Da scheint mir doch so ein Volkstanz vielversprechender. Da aber die Kussschule versprach, dass mir schon nach kurzer Zeit alles ganz geschmeidig von den Lippen ginge und meine Küsse hätten dabei die romantisch-erotische Ausstrahlung und Wirkung eines Tango-Tänzers. Und jede Dame seufzt danach nur noch meinen Namen. Achja. Schön wär´s… Kam ich ins Grübeln. Oh mein Gott, ich kann nicht mal Discofox der Stufe I, geschweige den Tsam. Gibt es dort ein Kuss-Parkett? Live? Online wäre mir dann doch lieber. Und ist in den Gebühren ein Styroporkopf enthalten?

Aber eins hab ich gelernt, Küssen macht glücklich, so ähnlich wie Schokolade. Eine Minute küssen verbrennt ca. 15 Kilokalorien. Ich könnte in schlappen 30 Minuten eine ganze Tafel Schoko abtrainiert. Gilt das auch für den Handrücken? Dann könnte ich auf der Couch liegen bleiben, Schokolade essen, mein Handrücken liebkosen und dabei ganz gelassen und doppelglücklich meinen dicken Zeh bewundern.

Nö, ist langweilig. Ich versuch es mit Tsam.

Foto: Ich, irgendwas mit Mitte 30

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Autor: rejekblog

Ich bin 1964 in Duisburg geboren und lebe fast die ganze Zeit im Ruhrpott. In meinem Blog möchte ich gerne etwas über den Ruhrpott erzählen und was hier so los ist. Und natürlich, was so in meinem Kopf los ist. Nicht viel, ich gebe es zu.

24 Kommentare zu “Kuss

  1. Auf so eine geniale Überleitung bin ich noch nie gekommen, chapeau! Lustig, unterhaltsam und überraschend. Hast mir den Tag aufgehellt, danke.

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  2. Ich bin mir sicher. Dein nächstes Buch heißt. „Bei Betrachtung meines dicken Zehes“

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  3. Nix da, Handrücken knutschen oder komische Tänze oder Kusskurse. Küss jemand Echtes! Am besten total verknallt. So dass das Herz dir aus der Brust springt vor Aufregung und du weiche Knie bekommst und hinterher ein völlig idiotisches Grinsen im Gesicht hast. Am besten noch 2 Tage lang. Das geht auch mit 50+. Das geht immer. Ich spreche aus Erfahrung (bin zwar noch nicht ganz 50+, kann aber mitreden) 😀 Küssen ist das Allercoolste und eine Welt ohne Küsse wäre furchtbar!

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  4. Wichtig beim Küssen: Ganz beim Kuss und nur beim Kuss mit der geküssten Person sein. Dann beantworten sich alle diese Fragen ganz von allein :o) Bei deinem angeborenen Kussmund ganz sicher kein Problem :o) …. Toller Beitrag ! Herzliche Grüße aus Wien

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  5. Hi Peter,
    das war ein wirklich unterhaltsamer Text. Ich habe viel gelacht. Danke dafür!
    Viele Grüße aus dem Rhein-Maas-Zwischenland
    Renata
    Na gut, jetzt aber muss ich meine Socken stopfen.

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    • Hallo Renata,
      Socken stopfen, hätte ich auch besser gemacht, da kommt man nicht auf dumme Gedanken. Habe ja Zeit. Lass das besser mit all den Kursen. Und stopfe. 🙂 Da fällt mir ein: Woher kommt eigentlich die Gänsehaut?
      Danke dir sehr und freue mich.
      Liebe Grüße, Peter

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  6. Köstlich!
    Hat Du mal versucht, mit Deinem dicken Zeh zu knutschen? Ich wette, dabei gehen mehr Kalorien drauf als beim Handrücken. Wäre doch schade um die Schokolade.
    Erst war ich ganz begeistert von der Vorstellung eines VHS-Kusskurses, aber was ist, wenn die Männer in der Überzahl sind? Ich bin nicht homophob, aber das muß nun doch nicht sein. Ich glaube, ich les doch lieber ein Buch in der Zeit. Zu schade.

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    • Hallo Videbitis,
      danke dir 🙂
      Der Kurs richtet sich ausschließlich an das männliche Geschlecht. Sind halt ausbaufähige Küsser.
      Und nee, an mein Zeh komm ich nicht. Komme gerade mal so mit Ach und viel Krach runter, um mir die Schnürsenkel zu zuziehen. Den Rest brauche ich erst gar nicht versuchen. Wäre peinlich.
      Liebe Grüße, Peter

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  7. Hallo Peter, ich nehme ganz stark an, du nimmst uns mit deiner riesigen Kusserfahrung hier alle ein wenig auf den Arm und willst unsere Lachmuskeln strapazieren. Ist dir gut gelungen.
    Mirja Boes aus der Comedianszene hat sich ja aus weiblicher Sicht auch ausgiebig über die Kusstypen ausgelassen – vielleicht kann sie dir nötigenfalls Nachhilfe geben 🙂
    Mit Gruß von Clara

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  8. Danke Peter für die Verschönerung des Tages. Sitze im Büro und grinse.

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