Gedankenwirrwarr & Ruhrpott

Meine ganz eigene Welt

„Sie sind ein schöner Mann!“

Gestern. Spaziergang. Ich traf eine äußerst gepflegte Dame, geschätzt um die 65 Jahre. Sie kam mir entgegen mit einem kleinen, struppigen Hund. Sie schaute mich an, lächelte freundlich und meinte: „Sind sie ein schöner Mann“. Und ich dachte nur: Wo sie recht hat, hat sie recht. Eine intelligente Frau mit sehr gutem, erlesenem Geschmack. Sie hat Klasse, hat Stil und erst dieses extravagante Kostüm. Ich fühlte mich geschmeichelt. Ich glaube, ich bin 10 cm gewachsen.

Sie beließ es nicht dabei. Sie redete. Hakte nach. Fragte nach meinem Alter. Ob ich verheiratet sei? „Nein.“ Ob ich eine Freundin oder Kinder habe? Wieder „Nein.“ Wie lange denn schon nicht? „Etliche Jahre“, erwiderte ich und kam langsam ganz schön ins Stottern. Suchte die Flucht nach vorne und marschierte schneller, aber die holde Maid ließ nicht von mir ab und folgte. Ich kam langsam ins Japsen. Sie aber hatte leider noch genug Luft um mich weiter zu quälen. „ Sie sind doch ein so schöner, junger Mann.“ Langsam zweifelte ich an ihre Worte. „Sie müssen sich doch fortpflanzen. Ihren Saft weiterreichen. Kinder machen.“ Ich habe im Allgemeinen nichts gegen das Wort „Saft“ in diesem globalen, natürlichen Zusammenhang, aber aus ihrem Mund klang es nicht nach „Dirty Talk“ sondern eher nach Saftpresse. „Sie müssen Ihren Saft verteilen, wie ein Baum seinen Samen versprüht. In alle Winde.“ Hatte plötzlich ganz merkwürdige Bilder vor meinem Auge. Sah mich in der Duisburger Fußgänger-Zone… Erschrak mich über mich. Brauchte ne Zeit um die „vom Winde verweht“ Bilder los zu werden.

Ein Mann ohne Kinder ist wie ein verdorrter Ast. Sie haben gesunde Gene. Viele hübsche Frauen warten auf Sie. Gott will das so!“ Gottes Wort in Frauen Ohr, dachte ich. Sagte aber: „Die Damenwelt hat da eine andere Auffassung.“ Eine bescheuerte, aber in diesem konkreten Fall absolut richtige Aussage. Was aber dazu führte, dass sie meinte fragen zu müssen: „Schwul?“ Ich: „Nein.“ und dachte, noch ein Wort von dir und ich komme schwer ins Grübeln, überlege es mir noch und wechsele doch noch „ans rettende, andere Ufer“. Dann ist Schluss mit lustig und der dämlichen Fragerei. Aber die Nervensäge, in ihrem schrecklich, furchtbar bunten Kostümchen, hätte bestimmt auf jede Antwort eine blöde Frage.

Mein Fluchtweg führte mich an einem Nettoladen vorbei. Kurze Überlegung: „Laden. Frau mit Sprung in der Schüssel und hässlicher Töle. Wir müssen draußen bleiben. Zufluchtsort.“ Den Gedanken noch nicht zu Ende gedacht, befand ich mich schon in der Schoko-Abteilung und schaute aus´m Schaufenster. Da stand die schwafelnde Bekloppte mit dem grauenvollen Köter und wartete auf mich. Sie wartete. Ich wartete und lernte Preise auswendig. Und dann hatte Gott erbarmen mit mir und schickte ein anders Opfer. Vermutlich quetschte sie fortan seinen Saft aus.

Ich schrumpelte wieder auf meine Normalgröße runter und glaubte nicht mehr an: „Schöner Mann.“ Mist!

 

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