Gedankenwirrwarr & Ruhrpott

Meine ganz eigene Welt

Der klägliche Versuch eines Dates

Ich weiß einfach nicht, warum man sich gewisse Dinge antut. „Antut“, was für ein bescheuertes Wort. Mir fällt aber gerade kein anderes ein – also bleibt´s bei „antut“.

Bin gestern mit einer Frau ausgegangen. Ich meine: eine richtige Frau. Ich meine, also nicht ein Mädchen, das noch auf der Suche nach irgendwas ist. Sondern eine Frau, die fest im Sattel sitzt – also, so ein richtiger Kerl, nur halt als Frau. Selbstbewusst, sich ihrer einfach sicher, wortgewandt und dennoch wortkarg, intelligent und verdammt attraktiv. Attraktiv bedeutet für mich jetzt nicht im klassischen Sinne nur hübsch, also nett anzuschauen. Für mich heißt es recht schlicht formuliert: körperlich anziehend. Schon als Jugendlicher hatte ich ein ausgesprochen starkes Verlangen nach… ich drücke es mal anders aus: Mein Typus von Frau war Hanna Schygulla, und daran hat sich bis heute nicht viel geändert. Ich mag diese leicht „herbe“ Ausstrahlung gepaart mit Brüsten.

So saß sie also vor mir, an dem kleinen runden Tisch vor dem Büdchen in der Innenstadt. Mittagszeit. Ich trinke meinen Kaffee immer in, am oder vor einem Büdchen, Kiosk oder Trinkhalle. A, es ist billiger und b, das Ganze ist einfach ungezwungener, wie in einem normalem Cafe. Sie setzte sich zu mir, da ihr nichts anderes übrig blieb, denn die anderen zwei Tische waren besetzt. Und wie es halt so ist, starrt man erst einmal so dumm durch die Gegend und redet dann kurz über das frühlingshafte Wetter. Dabei bleibt´s in der Regel und das ist auch gut so. In diesem Fall aber nicht. Sie stellte mir eine persönliche Frage, nichts indiskretes, eigentlich nichts von Belang. Und eigentlich regiert man darauf mit einer Smalltalk-Antwort. Nun, ich habe mir vor geraumer Zeit, aus persönlichen Gründen, vorgenommen meine Smalltalk Gewohnheit etwas herunter zu fahren und antwortete ihr, ohne mich dabei selber zu sehr zu belasten, so gut ich konnte recht redlich auf ihre Frage. Mein eigene Erfahrung seit dieser Zeit ist, dass es bei meinem Gegenüber nicht so gut ankommt.

In diesem Fall komischer Weise nicht. Sie fragte weiter, ich antwortete weiter. Dann musste sie gehen. Und ich weiß wirklich nicht, was mich da dann geritten hat. Aber ich fragte sie, ob wir unser Gespräch mal fortsetzen wollten? Sie bejahte und schlug für heute Abend ein Cafe im Innenhafen vor.

So stand ich ein paar Stunden später in meinem Badezimmer vor dem Spiegel, rasierte mich und stellte mir die Frage: Ob dass mal so eine gute Idee war? Ich fand nicht.

Ich wohne nun seit 16 Jahren alleine, seit 4 Jahren lebe ich alleine und genauso lange hatte ich kein Sex. Ich sehe mich nun nicht als übertrieben hässlich an, an Selbstvertrauen mangelt es mir in der Regel auch nicht und manche behaupten sogar, ich hätte so etwas wie Charme. Ich weiß es allerdings nicht. Ich bin 52 Jahre alt, 182 cm groß, wiege zurzeit 78 kg, habe Schultern, wenn auch nicht gerade die eines Boxers und habe nicht ganz so kurzes, rotes Haar mit wenig Geheimratsecken. Meine zweite Ex-Ehefrau meinte neulich, ich wäre hübsch, nicht gerade männlich, aber hübsch. Was ich persönlich nicht gerade als Kompliment aufgefasst habe. Ich gehe aber mal davon aus, dass sie es wirklich so meinte, da sie bereits eine Flasche Rotwein intus hatte. Bekanntermaßen liegt ja im Wein die Wahrheit. Und da ich stolzer Besitzer eines eigenen Spiegels bin, brauche ich mir auch nichts vorzumachen.

So stand ich also vor dem Spiegel mit Schaum im Gesicht und mir fiel eine Verabredung mit einem Mädchen vor einer halben Ewigkeit ein, die nicht ganz zu gut verlief und sie sich bei mir verabschiedete: Dafür habe ich mir die Beine rasiert. Und die Worte hallten gerade nach. Aus einem mir nicht verständlichen Grund, sah ich die Frau vom Büdchen, vor meinem Auge, in der Badewanne liegen und sich die Beine rasieren. Und noch unerfindlicher finde ich, dass ich versuchte, mir krampfhaft ihre Brüste vorzustellen. Ich war heilfroh endlich die abstrusen Gedanken aus dem Kopf zu bekommen und noch mehr, dass ich mich beim Rasieren nicht geschnitten habe. Es gibt nichts blöderes wie mit Klopapier-Fetzen im Gesicht herum zu rennen.

Der Abend verlief sehr nett. Gut, man sagt, dass Nett der kleine Bruder von Scheiße sei. In dem Fall nicht, es war wirklich nett, weil sie sehr nett ist. Witzig, charmant, spontan. Ich habe mich sogar einmal dabei ertappt, wie ich mich fragte, wie sie wohl im Bett sei? Spontan, Witzig? Aber der Gedanke ging schnell verloren. Ich brachte sie dann noch bis vor ihre Haustür, weil man es halt so gelernt hat und hoffte, als wir davor standen, inständig, dass sie mich nicht noch nach oben bitten würde. Diesen Gefallen tat sie mir. Vielleicht glaubt sie, ich wäre enttäuscht, ich hätte mir mehr Versprochen. Vielleicht aber auch nicht. Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, ich hatte keinerlei Lust auf eine fremde Wohnung. Ich bemerkte an mir, dass ich kein Interesse an das erste Mal hatte. Ich empfinde mittlerweile das erste Mal so unglaublich mühselig. Durch und durch anstrengend. In allen Belangen.

Es ist aufregend, den Körper des jeweils Anderen zu erkunden. Wer kommt den auf so dämliche Worte? Das wird doch erst dann interessant, wenn man so eine Ahnung davon hat, wo man erforschen darf. Manchmal werden Dinge so bescheuert, blumig beschrieben, dass mir dazu die passenden Worte fehlen.

Meine Erfahrungen mit Frauen sind eigentlich positiv, ich habe kein Beziehungspäckchen mit mir zu tragen. Klar, meine Beziehungen bzw. Ehen endeten. Sie liefen einfach aus. Ganz langsam, ganz leise. Und jetzt? Jetzt macht sich sogar meine 80zig-jährige Mutter Sorgen um mich. Da sitzt man bei Schweinebraten und Kohl am Tisch und die eigene Mutter meint unbedingt sagen zu müssen: Jung, du musst doch Bedürfnisse haben. Na, toll, dachte ich nur.

So stand ich also gestern Abend vor der Haustür von der Frau vom Büdchen und wartete darauf, dass diese ins Schloss fiel. Und ging. Und dann fiel mir auf, dass ich ganz vergessen habe sie zu fragen, ob wir uns wiedersehen, und die Telefonnummer hatte ich auch nicht. Und dann stellte ich fast erleichtert fest: Sie fragte auch nicht. Das mich sogleich wurmte, da ich wohl nicht so berauschend für eine zweite Verabredung rüber kam. Und es wurmte mich, dass mich das wurmte. Und ich weiß nicht, warum ich mir diese Gedanken angetan habe, denn der Abend war wirklich schön!

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