Gedankenwirrwarr & Ruhrpott

Meine ganz eigene Welt

Ladenschluss_1 – ein Foto – und meine ganz eigene Gedankenwelt

Ladenschluss

Bild: nympheimgemuesegarten

Gestern wurde ich auf den Blog einer jungen Dame aufmerksam und war sehr beeindruckt. Sie stellt dort einige ihrer fotografischen Arbeiten vor. Und bei einem ihrer Bilder bin ich hängen geblieben. Ich sah es und ich mochte es. Ich denke von mir selber, dass ich ein emotional eher durchschnittlicher Mensch bin. Gerüche, Bilder versetzen mich schon in andere Welten, Musik weniger. Aber in erster Linie sind es Gerüche. Auf ihrem Foto sieht man einen abgedunkelten Raum, frontal fotografiert. An der Wand hängt eine große Vitrine mit mehreren Regalen aus schwerem Holz. Darunter befindet sich eine kleine Bank mit Rücken- und Armlehne, auch aus diesem Material. Neben der Bank steht ein kleines Holztischchen mit Weinflaschen. Die einzige Lichtquelle ist eine gelbliche Neonleuchte in der Vitrine, die den Raum von hinten sanft beleuchtet. In den Regalen liegen nebeneinander sowie untereinander große, runde Käseleiber in den unterschiedlichsten Ausführungen. Ordentlich, gar liebevoll ausgerichtet. Ihr Bild nennt die Dame: „Nach Ladenschluss_1“ Zutreffend: dachte ich.

Und dann plötzlich „fühlte“ ich den Geruch von Käse. Ich fuhr mal vor 30 Jahren für einen kleinen Betrieb ganze Leiber Gouda-Käse aus. Sie waren für Pizzerien bestimmt. Der Wagen roch danach, meine Hände rochen danach, sogar meine Kleidung. Ich spürte diesen leicht öligen, fettigen und doch auch irgendwie trockenen Belag zwischen meine Fingern. Und sah mich wieder in die Zeit zurückversetzt, als die Pizzeria Piccolo noch eine meiner Anlaufstelle war. Und dann kippte das Gefühl. Der Käse wich und dafür schlich sich langsam der Geruch von kaltem Zigarettenrauch und abgestandenem Bier in meine Gedanken. Beide Gerüche waren damals zeitnah. Aus irgendeinem emotionalen Grund verbanden sie sich. Mitte der 1970er und 80er Jahre besaßen meine Eltern eine Discothek: „Maxim“. Sie hätte täglich bis 3.00 Uhr und am Wochenende bis 6.00 Uhr geöffnet. Damals lohnte sich´s noch. Mit 18 musste ich dann tatkräftig mit ran, Familienbetrieb. Geld verdiente ich mit „Käse“. Der Holländische DJ legte immer als letzte Platte, die DDR Band, „City“ mit „Am Fenster“ auf, aber die 15 Minuten Fassung. Für ihn war es das „Ultimative-Rausschmeißer-Lied“ schlecht hin. Danach fluteten ein dutzend Scheinwerfer den riesigen Raum mit ihrem grell-hart-weißen Licht, dass die Augen schmerzten. Man betrachtete den dahin schwebenden Zigarettennebel und es war ganz still. So still, dass es fast schon wieder dröhnte. Ladenschluss.

Für die Putzfrauen schloss ich am nächsten Morgen den Laden auf und es roch nur nach beißendem, kaltem Rauch und schalem, abgestandenem Bier aus den Aschenbechern, Leitungen und Auffangbecken. Er schlug mir geradezu entgegen. Ich liebte diesen Geruch, diese Mischung aus diesem diffusem Allerlei. Für mich roch es nach Spaß, Party, Tanz, Ausgelassenheit, Lebensfreude, die noch vor wenigen Stunden hier stattfand und nach Vorfreude auf das Kommende. Meistens wartete ich auf die Frauen, und wenn mir danach war ging ich zum Pult legte eine Platte meiner Wahl auf, drehte auf und ließ die riesigen Discokugeln sich drehen und verfolgte ihre Reflexion an den dunklen Wänden. Und wenn mir danach war, drehte ich mich. Es war für mich Emotion pur.

Und all diese Gedanken kamen mir beim Betrachten dieses Bildes. Schon komisch und auf eine Art irritierend wohin das eigene Gehirn einen führt. Danke für die Gedanken.

Sehr zu empfehlen: https://nympheimgemuesegarten.wordpress.com

 

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