Gedankenwirrwarr & Ruhrpott

Meine ganz eigene Welt


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Ein Mädchentraum – oder?

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Duisburg Marxloh hat bestimmt nicht gerade den besten Ruf. Dreckig, heruntergekommen, nicht alle meinen es gut mit einem und überhaupt. Aber eine ganz besondere Eigenart hat Marxloh schon, etwas was es so nicht gibt. Es hat wohl die größte Brautshow Meile Europas. Nirgendwo soll es mehr an „Mein-großer-Tag-Bekleidungsfachgeschäfte“ geben. Aus ganz Europa kommen die heiratswilligen Damen samt Anhang angereist, um sich „ihr“ Brautkleid für den Tag der Tage auszusuchen. Sie nehmen die Reise aus London, Madrid, Paris, Istanbul auf sich, um in Duisburg ihren Traum in Weiß zu finden. Und dies ist wirklich kein übertrieben erzählter Blödsinn. Wenn man auf der Hauptstraße steht und sich einmal um die eigene Achse dreht, sieht man Hochzeitskleider-, Schmuck-, Blumenläden, Konditoreien. Alles was Mädchen, Frau sich für den ihren großen Tag wünscht, will. Alles auf einer Straße. Dann hat man eine Ahnung: Warum sie kommen.

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Großes Essen in Essen – die Gourmet-Meile „Essen für Genießer“ – Schockstarre

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Ich gebe offen zu, wenn es um das Thema Essen geht, bin eher einfach gestrickt, ein schlichtes Gemüt. Weniger Gourmet, mehr Gourmand. Aber nun auch kein richtiger lukullischer Tiefflieger, mehr der „Hausmannsverköstler“. Vater hat mir mit 18 Jahren das Schrauben und Basteln an Autos beigebracht. Lichtmaschine, Anlasser, Räder aus- und einbauen, kein Thema. Mudda führte mich in die Kunst des Zwiebel-, Kartoffelschälens und deren Zubereitung ein. Beide Handfertigkeiten haben sich als sehr nützlich erwiesen und mich bis jetzt recht hilfreich durchs Leben gebracht. Besonders missen möchte ich nicht das Kartoffelsalat-Rezept meiner Oma. Noch mit einer richtig fettigen, selbstgemachten Majo und nicht dieser kalorienarmer Brühe-Schnickschnack.

Und missen wollte ich auch die Gourmet-Meile „Essen für Genießer“, in der Essener Innenstadt, nicht. Nicht, dass ich behaupten würde, ich könnte die Feinheiten, die Nuancen, die hohe Kunst erschmecken oder erschnüffeln. Überhaupt nicht. Noch empfinde ich Essen oder Kochen als erotisch. So wie des Öfteren diese Fernseh-Sterne-Brutzeler behaupten: „Kochen ist wie Sex.“ Ich empfinde beim Kohlrabi schälen oder Blumenkohl waschen nun leider überhaupt nichts. Außer Mühsal. Vielleicht übe ich das Handwerk auch einfach nur falsch aus.

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Kultur-Nacht „ExtraSchicht“ – Zeche Zollverein (Teil II/II)

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Es kommt immer alles anders wie man denkt. Wie sagen die Franzosen so schön: „Wenn du Gott zum Lachen bringen willst, dann erzähl ihm deinen Lebensplan.“ Kaum stand ich auf der Straße meinte mein Nachbar, in seinem unnachahmlichen Pott-Dialekt, mir die Weltpolitik genaustens erklären zu müssen. Mein Zeitplan war hin und die Linie 107 konnte ich mir von der Backe schminken. Also mal wieder zum Duisburger Landschaftspark-Nord und dort mit einem Shuttle-Bus Richtung Oberhausen Zinkfabrik.

Die Zinkfabrik mit ihren alten Maschinen und Darbietungen, wie Opa einst Eisen bearbeitete war nun nicht meins. So ging es fort. Zeche Zollverein.

Ab da machte mir aber das Wetter einen gehörigen Strich durch die Rechnung. Regen. Pech. „Da machste nix.“ Nur sehr Schade für all die Künstler mit ihren sehr reichlichen, unterschiedlichen Auftritten.

Da kannste dir dat Wetter auch nicht schön trinken.

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Kultur-Nacht „ExtraSchicht“ – der Ruhri – Zeche Zollverein (Teil I/II)

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Ich freue mich. Bin frisch rasiert und eingedeot. Aus meinen Lautsprechern dröhnt extra laut „Mr. Blue Sky“ von Electric Light Orchestra. Sorgt einfach für ne positive Grundstimmung. Gleich beginnt der Spaß. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Essen-Katernberg zur Zeche Zollverein. Weit mehr als 200.000 Menschen machen sich heute zwischen 18.00 und 2.00 Uhr auf den Weg um Kultur, Kunst und andere Köstlichkeiten in dieser Nacht zu erfahren, zu erleben. ExtraSchicht – die Nacht der Industriekultur. An 46 Standorten findet kreuz und quer im Pott die unterschiedlichsten Veranstaltungen, Aufführungen und Konzerte statt. Von Moers, Duisburg, Essen, Dortmund und Hamm. Von Witten, Bochum, Herne, Gelsenkirchen bis Dorsten, alle machen mit. Es ist halt das größte Spektakel seiner Art auf der Welt. Über 2.000 Künstler beglücken uns in dieser Nacht. Und da das Ruhrgebiet doch so verdammt groß ist, schafft man nur einen ganz kleinen Teil davon ab zu klappern.

Im letzten Jahr bin ich durch die Duisburger und Oberhausener Museen getourt, schließlich hat dieser Ballungsraum eine der bemerkenswertesten, abwechslungsreichsten Museen- und Theaterlandschaften Europas. Aber diesmal möchte ich doch das Spektakel im großen Rahmen auf der Zeche Zollverein, dem Ruhrpott Weltkulturerbe, erleben. Mein letzter Besuch liegt nun schon gut 6 Jahre zurück. Wollte meiner damaligen Angebeteten aus Wuppertal die Schimanski Jacke im Ruhr-Museum zeigen. „Schau ma! Ich und Schimi.“ Nun, so schnell beeindruckt man die Damenwelt aus der „Einzigen-Mit-Einer-Schwebebahn-Stadt“ auch nicht. Da musste doch noch ne gehörige „Schüppe“ drauflegen. Weiterlesen


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Duisburg, dat Feier-Biest – Musik-Festival „Traumzeit“ im Landschaftspark-Nord (Teil II/II)

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Nach dieser alljährlichen „Matjes-Schlacht“ und dem Seemanns-Sound und-Garn war mir einfach nach einer anderen Art von Trubel. Die Lust nach Meer war gestillt, mehr musste her. Abwechslung. Und das bietet unser großes „Dorf“ reichlich. Letzte Wochenende tummelten sich im Duisburger Landschaftspark Nord noch Hunderte von Freizeit-Fotografen auf der Messe „Photo +Adventure“, an diesem Wochenende Tausende von Musik-Begeisterte und nächsten Samstag ist es ein Teil der riesigen Ruhrpott-Kultur-Veranstaltung „ExtraSchicht“. Eine Nacht der Industriekultur, an 46 Spielorten in 21 Städten mit über 2.000 Künstlern, dann mutiert Duisburg zusammen mit dem „Rest vom Pott“ zur größten Metropole Europas.

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Duisburg, dat Feier-Biest – vom Matjes-Fest – und dem Musik-Festival „Traumzeit“ im Landschaftspark-Nord (Teil I/II)

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Es liegt was in der Luft. Einmal im Jahr riecht die Duisburger Innenstadt für ein paar Tage nach frischem, rohem, in Salzlake gereiftem Fisch.“, so oder so ähnlich fing mal ein Artikel über die Matjes-Tage in einer Duisburger „Marketing- und Verkaufsbroschüre“ an. Mich erinnerte der Satz unwillkürlich an „Verleihnix“, dem Fischhändler aus Asterix und Obelix. Es riecht hier aber nicht wie in einem kleinen gallischen Dorf, sondern nach nix. Und da Duisburg manchmal auch ein „Dorf“ ist, ist der Verkauf von frischem Fisch, verrückter Weise ausgerechnet noch eine holländische Nationalspeise, hier ein Fest. Ein Groß-Ereignis. Im vierzig Kilometer entfernten Holland denkt sich die Bevölkerung: „Die spinnen, die Deutschen.“ Wo sie recht haben, haben sie recht. Mit Ausnahme natürlich von unserem großen „ Dorf“.

So wie jedes Jahr die Matjes-Veranstaltung stattfindet, genauso läuft jedes Jahr das Procedere mit meinen Eltern ab. Ein ewig wiederkehrendes Lustspiel. „Jung, hol mal zwei Matjes. Vadda und ich teilen uns eins. Datt reicht. Wegen den Kalorien.“ Ich kaufe drei. „Warum denn so viel? Wir wollten nur mal abbeißen. Für´n Geschmack.“ Als ob es dabei bleiben würde. Klar, die Erde ist eine Scheibe und die Sonne dreht sich nur um uns. Von wegen. Wenig später kramt Vater in der Hosentasche, befördert ein paar Münzen ans Tageslicht. „ Bub, hol noch mal Zwei. Mutter und ich teilen.“ „Nur Zwei?“ „Ja. Ich besorge mir danach noch ein Backfisch.“ Mich erinnert das Ganze an „Dinner for one.“ Ich könnte auch schreiben Matjes-Fest 2016 oder 2018. Die selbe Unterhaltung, die selben Gänge zur selben Fischbude. Die muss es allerdings sein, denn sie ist die einzige mit den Holländischen Pappbrötchen. Die restlichen Stände haben nur das „Deutsche-Gute-Morgen-Aufsteh-Gebäck“. Viel zu knusprig. Nehmen den goût vom zarten Fisch. Die Holländische „Pappe“ erinnert von der Konsistenz und dem Geschmack an ein Brötchen, welches für ein paar Sekunden in lauwarmer, süßlicher Milch eingelegt wurde. Das Ganze mit gesalzenem Hering und rohen Zwiebeln garniert und fertig ist eine meiner Leibspeisen. Nur küssen darf man die nächsten 14 Tage niemanden. Auf jeden Fall nicht, wenn man ernste Absichten hegt. Vielleicht meinte das der Artikelschreiber in der Stadt-Reklame-Broschüre: „Es liegt was in der Luft.“

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Stahlwerk

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Manchmal ruft mich dieses eine Unternehmen an und fragt: Ob ich Lust hätte, für sie, ein paar Tage auf Reisen zu gehen. Das Unternehmen beschäftigt sich hauptsächlich mit Instandhaltungsarbeiten in Stahlwerken. Und dann brüllt und kreischt mein Inneres wie ein Teenie, die gerade auf einem Konzert ihre Lieblings-Boy-Band anhimmelt. Ich liebe Stahlwerke, ich liebe das Licht, das Spiel von Hitze und Kälte, den Lärm, das Piepen der Kräne, den Geruch, diesen einzigartigen Gestank von schmelzendem Metall und natürlich die Menschen: Diesen unvergleichbaren Menschenschlag. Humorvoll, herzlich und „hartgesotten“. Für mich bedeutet es, das Arbeiten der anderen zu dokumentieren. Mittendrin, anstatt dabei.

Mein erstes Mal war vor ca. 15 Jahren. Schon verrückt, da wohnt man in Duisburg und sein erstes Stahlwerk besucht man im Saarland. Alles war so groß, unvorstellbar gewaltig. Egal wohin man schaute, egal was man anschaute. Alles hatte ungeahnte Dimensionen. Da steht man in einer Halle, blickt nach oben und fragt sich: Wo ist die Decke? Man sieht Konverter, Lichtbogen-Öfen, Pfannen oder Torpedos und alle sprechen nur in Tonnen. 100, 200 oder 400 Tonnen Fassungsvermögen und das bei 3.500 Grad. Nichts, absolut nichts, gibt es in einem Stahlwerk in Normalgröße. Außer mich und ich wurde dabei ganz klein. Man sieht die Urgewalt. Die Entstehung der Erde. Feuer, Flammen. Hitze, der Urknall. Eine unglaubliche Faszination geht davon aus. Man kann den Blick nicht abwenden. Egal wie häufig man den Moment der Schmelze, des Abstichs beiwohnt. Er hält einen gefangen. Und man steht nie allein.

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