Gedankenwirrwarr & Ruhrpott

Meine ganz eigene Welt

Schwarz / weiß II

43 Kommentare

Duisburg BruckhausenTante Emma sw

In Duisburg-Bruckhausen erlebte ich unschuldige Jahre. Meine ersten sechs Lebensjahre. Nun, viel weiß ich nicht mehr, immerhin 50. Jahre her. Ein halbes Jahrhundert. Ohje… Muss ich mir gerade auf der Zunge zergehen lassen… . Eins weiß ich aber noch, sie waren paradiesisch idyllisch, unvergleichlich fröhlich und absolut verspielt. Und, ich stand schon damals auf Kippen und Leder. Ok, das gehört jetzt nicht hier her.

Duisburg Bruckhausen Thyssen 4 sw

Meine Mutter, stolze Betreiberin einer Trinkhalle, verkaufte nachts aus´m Schlafzimmerfenster, über meinen Kopp hinweg, heimlich Bier und Schnappes an die leidgeprüften Stahlwerker. Denn genau gegenüber lag das Thyssen-, heute ThyssenKrupp, Stahlwerk, eines der Größten in Europa, wenn nicht sogar das Größte. Trotz des Krachs und Qualms war Bruckhausen ein beliebter und belebter Stadtteil. Damals, vor einer gefühlten Ewigkeit.

Duisburg Bruckhausen ThyssenKrupp Hochofen sw

 

Duisburg Bruckhausen Reinerstraße 3 sw

Heute sieht die Welt anders aus. Fast schon vergessen, fristet Bruckhausen im Schatten der Hochöfen ein tristes Dasein. Es stirbt. Vor etlichen Jahren riss man einige Häuser ab, die Bäckerei, den Friseur, die Kneipen, den kleine Supermarkt und und, und auch unseren alten Kiosk. Dafür pflanze man reichlich Bäume, um Bruckhausen aufzupeppen. Zog obendrein noch eine meterhohe Betonmauer. Zum Schutz. Ich weiß allerdings nicht vor wem oder was die Stadtplaner und Landschaftsarchitekten die Blicke schützen wollten. Aber sie verzierten die „neue“ Mauer überflüssiger Weise noch mit Bildern des vergangenen Stadtteils, um vielleicht den Besuchern zu zeigen, so sah es mal aus. Genug genölt.

Duisburg Bruckhausen Mauer 3 sw

 

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Duisburg Bruckhausen Türen swjpg

 

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Duisburg Bruckhausen Fenster sw

 

Duisburg Bruckhausen Häuserzeile 1 sw

 

z Duisburg Bruckhausen Kinder Fußball

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Autor: rejekblog

Ich bin 1964 in Duisburg geboren und lebe fast die ganze Zeit im Ruhrpott. In meinem Blog möchte ich gerne etwas über den Ruhrpott erzählen und was hier so los ist. Und natürlich, was so in meinem Kopf los ist. Nicht viel, ich gebe es zu.

43 Kommentare zu “Schwarz / weiß II

  1. Der Kleine mit der Fluppe 😀

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  2. Ganz schön was los dort, so auf längere Sicht gesehen, Danke fürs Mitnehmen auf Deine Zeitreise.

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  3. Danke für die tollen Fotos.
    Süßer Knirps, wie kam er aber an die Zigaretten? Ob die echt sind? Es gab ja auch Süßigkeiten als Zigaretten….

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    • Hallo steinfisch,
      Dank!
      Jap, war mal ein Süßer, schon ein Wunder wie es sich im Laufe der Jahre raus wächst. Mist. 🙂
      Waren Schokoladen-Zigaretten aus dem Büdchen von Mudda. Habe ich als Kind geliebt.
      Vielen Dank.
      Liebe Grüße, Peter

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  4. Schöne Bilder, trauriger Inhalt. So sieht es an vielen Orten aus. Man fragt sich, was sich Stadtplaner und die politischen Verantwortlichen denken, so ein Niedergang kommt ja nicht über Nacht. Mit städteplanerischen Massnahmen lässt sich viel verbessern und zu Neu-oder Umnutzungen ermutigen; es gibt viele Orte die das im Griff haben und andere schlafen einfach weiter.

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    • Hallo Suzy,
      danke dir vielmals für deine Rückmeldung. Schon 1975 fingen die Planungen für den Abriss an. Zogen sich dann 20 Jahre dahin und niemand, also die Hausbesitzer hatten noch Interesse an Modernisierung. Die Menschen zogen fort, Arme zogen dorthin. Dann riss man ohne große Motivation ab. Tja…
      Liebe Grüße, Peter

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  5. Eine wunderbare Kurz-Dokumentation in Wort und Bild.
    Die clevere Frau Mama amüsiert mich erneut. ☺️

    Es scheint ja nichtsdestotrotz ein Stadtteil zu wein, in dem es sich gut und nicht astronomisch teuer wohnen lässt (?)

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    • Hallo Birgit,
      stimmt! Meine Mudda ist schon eine ganz besondere Hausnummer. Schon aufgrund ihres Jahrgangs. Nicht die geborene Hausfrau. Kochen zählt nicht zu ihren Stärken, dafür liebte sie in jungen Jahren Alfa Romeo. Sie mag Regeln, denn die kann man dann so herrlich brechen. Sie hat mich in allen Lebensbereichen sehr geprägt.

      Gut leben kann man nicht in Bruckhausen. Gut die Mieten liegen so bei 5 Euro kalt pro Quadratmeter, dafür gibt es das WC auf´m Hausflur. Die Häuser sehen von außen toll aus, innen sind sie in den 60er Jahren stehen geblieben. Apotheke oder Arzt sucht man vergebens. Kleiner Netto, Döner Bude, zwei Kioske, zwei türkische Lebensmittelhändler, reichlich Teestuben, dann ist Ende der Fahnenstange. Die guten Zeiten sind vorbei. Eigentlich schade, denn die Häuserzeilen sehen toll aus. Aber die meisten Häuser und Läden stehen leer.

      Und vielen Dank für deine lobenden Worte, das freut mich sehr.
      Liebe Grüße, Peter

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  6. Deine Mutter ist ja die Allercoolste! 😀 Tolle Story, traurig auch. Aber so ist es immer, alles ändert sich, alles ist im Wandel – ob zum Guten oder Schlechten, sei dahingestellt. Aber wir haben unsere Erinnerungen und die sind sicher und keiner kann sie uns wegnehmen.

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    • Hallo Petra,
      danke dir. Jo, alles verändert sich, ist auch gut so, ansonsten wäre es ja auch langweilig.Manchmal muss man es nicht haben, aber wie du schon sagst, dann muss man damit leben Ok, ich natürlich nicht, sehe immer noch so strahlend, faltenlos, straff, und blühend aus. Autsch, Tschuldigung… der Rücken..

      Mudda ist wirklich cool, ohne zu übertreiben. Sie hat reichlich interessante Dinge gemacht. Kiosk, Frittenbuden Kneipe, Disco und noch einiges mehr. War für mich eine tolle Zeit und hat mich sehr beeinflusst. 🙂
      Liebe Grüße, Peter

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  7. Auch hier geht es also nostalgisch zu. 🙂 Hört sich nach spannender Kindheit an. Waren das Schoko-Fluppen? Die habe ich als Kind päckchenweise „geraucht“.
    Fühle mich indirekt verbunden mit dem Ort, da ich einige Jahre lang Stahl eingekauft habe, unter anderem auch bei ThyssenKrupp. Das ist nun auch schon wieder über 15 Jahre her, Wahnsinn.
    Liebe Grüße von der Monstermeute

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    • Hallo Monstermeute,
      🙂
      Manche meiner Geschichten erzählen von früher. Macht halt Spaß sich daran zu erinnern. Lese gerne deinen Blog. So wie gerade über deine alte Wohnung und deiner Gegend.
      Und ja, es waren Schokoladen Zigaretten. Oh Gott, was habe ich sie geliebt. Cool dran ziehen um sie dann aufzuessen.
      Liebe Grüße, Peter

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  8. Bilder des Alltags. Bilder von Orten wo wir groß geworden sind. Bilder die wir nicht vergessen und die Jugend nicht-nie verstehen wird. Tolle Bilder.

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  9. Hallo Peter,
    dein Schwenk in die Kindheit und das damalige Bruckhausen und dazu gegenübergestellt die Lage heute … es hat sich viel getan in den 50 Jahren. Was tobte dort damals doch das Leben!
    Einen schicken Schlitten hattest du! Heute – mit Rücken – passt du wohl nicht mehr da rein, oder? ^^ Diese lungentechnisch etwas weniger problematischen Fluppen hatten wir als Kinder auch! Wir fanden uns immer sehr cool damit.

    Und dein Ort der Kindheit heute? Ui, den Bauten sieht man die Vernachlässing und die „Vereinsamung“ an. Das geht an die Substanz. Abrisslücken machen die Atmosphäre nicht besser …. Nur aus diesem Teufelskreis von Vernachlässigung, Wegzug und Schwinden der Läden, Streichen von Anbindungen u. a. ist schwer wieder herauszukommen. Die einmal erreichte Unattraktivität hält gleich wieder von etwaigen Modernisierungen ab, und ohne richtige Stadtplanung und intensive Förderprogramme stehen die Chancen einfach grottenschlecht. Punktuelles Make Up allein ändert nicht viel.

    Es ist immer so dermaßen schade, wenn ein einst lebendiger Ort langsam aber sicher eingeht.
    Deine Erinnerungen an die Jahre als Knirps in dieser Gegend, die sind jedoch erfreulich positiv und wirken auch bei mir noch ein bisschen nach.
    Ich habe das Gefühl, deine Mama ist eine sehr patente Dame! Wenn man so flexibel und anpackend sein Leben gestaltet – schon toll!

    LG Michèle

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    • Hallo Michèle,
      danke dir. Ich hatte eine tolle Kindheit, und noch viel bessere Jugend, durfte in ein Internat, und auch sonst kann ich mich nicht beklagen. Gut, könnte ich, hätte ich nix von. Dank meiner hervorragenden Eltern, durfte ich mir ein selbstbestimmtes Leben aussuchen, was , na klar, halt seine Tücken hat. Mehrfach verheiratet, mehrfach Krebs, viele Jobs, auch mal von der Stütze gelebt. Aber immer viel Spaß.

      Es ist nicht nur dieser Stadtteil. Duisburg hat es generell sehr schwer. 1954 war es die reichste Stadt Deutschlands, heute die dritt ärmste Stadt. Den Verfall sieht man an jeder Ecke. Gut ein drittel der Fußgängerzone hat Leerstand. Keine Kaufkraft, keine gut bezahlten Jobs. Ein Teufelskreis. Vielleicht sollte man doch mal den Soli in den Pott fließen lassen. Denn andere Städte haben die wirtschaftliche Wende, Wegfall von Stahl, Kohle, Bekleidung, jap es haben mal 20.000 Näherinnen im Ruhrgebiet ihre Arbeit gehabt, verkraftet.

      Eigentlich schade, denn der Menschenschlag ist sehr nett und sehr hilfsbereit. Und in den Wagen passe ich echt nicht mehr. Weniger wegen Rücken, glaube mein Hintern ist zu breit für die Öffnung. 🙂 Gut, wiege zwar nur 80 Kg bei 180 Zentimeter, aber ob das das Vehikel noch schafft?

      Liebe Grüße und ganz viel Dank, Peter

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  10. Hallo Peter,
    Immer wieder wirklich schade, wenn ein Stadteil so verfällt und vergessen wird… Wie gut, dass du die Erinnerungen daran so lebendig hälst!
    Liebe Grüße,
    Marita

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    • Hallo Marita,
      vielen lieben Dank. Wenn man dort wunderbare Kinderjahre verbracht hat, dann hängt das Herz daran. Und macht, dennoch dem traurigen Jetzt, verdammt viel Spaß darüber zu erzählen.
      Liebe Grüße, Peter

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  11. Klasse Fotos! Und auch von mir ein herzliches Dankeschön für die Einblicke in deine Heimat.

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  12. Hallo Peter,
    dann war ich ja unwissender Weise in deiner Heimat ! (Fotos s.unter 7.11.2015 und Haus am See 28.3.2014) War damals 3 tage in Marxloh und habe die Gegend zu Fuss(und der Kamera) erkundet…und selbst wenn ich schon Dortmund Dorstfeld gewohnt war….das war hier eine andere Geschichte…und in Bruckhausen bin ich dann durch die Abrisstrassen gestolpert…da kam mir auch die Idee mit dem umgelenkten Soli, denn wenn ich so an manche totalsanierte Oststädte denke…totales Kontrastprogramm…Aber die Erinnerungen bleiben und deine Geschichte ist schön…traurig.
    Lieber Gruss aus der Stadt der (reichen)Pfeffersäcke, Jürgen

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    • Hallo Jürgen,
      vielen lieben Dank. Duisburg ist mittlerweile eine ganz eigene Nummer.
      Hatte vor einiger Zeit eine freie Journalistin aus Dresden für ein paar Tage hier. Sie war sehr erschrocken. Achja…. Nun, ob das mit dem Soli klappt bezweifele ich sehr. Die Blog Nachrichtenagentur Ruhrbarone hatte im Sommer einen sehr schönen, und ich finde zutreffenden, Artikel. Warum noch weitere Milliarden in den Pott stecken, wenn wir seit 30 Jahren die Gelder aus Brüssel verbrannt haben? Ganz unrecht hatte der Autor nicht.
      War so vor 8-9 Jahren das letzte Mal in HH. Alsterfest. Wurde von einem Kunden eingeladen. Essen auf´m Schiff, Luxushotel. Hätte fast die Badezimmereinrichtung komplett geklaut. Gott, war das ein Bad und der Fernseher. Spaß beiseite. War schon toll 🙂
      Liebe Grüße, Peter

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  13. Jammerschade um diesen wunderschönen alte Häuser!! was könnte man für Schmuckstücke daraus machen:-) Der Kleine mit der Kippe ist ja zucker:-)) na, heute ja ooch noch:-) Liebe Grüße Corinna

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  14. Es sind sehr interessante, historische Aufnahmen die Du da gemacht hast. Es stimmt sehr traurig, wie ein Stadtteil so herunter gekommen ist. Immer wurde nur geredet, was alles gemacht werden sollte aber in Jahrzehnten ist nichts geschehen. Und jetzt wo Geld in Duisburg an allen Ecken und Enden fehlt, kann man kaum noch erwarten das an Bruckhausen gedacht wird. Es sieht aus wie das Armenhaus von Deutschland. Ich bin dafür, das Städte wie Duisburg einen Soli Zuschlag erhalten.
    Trotzdem laß Dir Deine schöne Kindheitserinnerung nicht nehmen. Ich hatte auch eine schöne Kindheit mitten im Pott, ganz in der Nähe, Alt Hamborn, hintern Stadtpark.
    Herzliche Grüsse, Petra

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  15. Hallo Peter.
    Die Bilder von Bruckhausen sind wie ein Schreckgespenst für mich. Ich kann mich gut erinnern, wie ich die Einkäufe für Mutter gemacht habe und zu allen Geschäften alleine gelaufen bin. Ich hatte nie Angst, wurde von allen immer fair behandelt. Ich war ja dort während der gesamten Grundschulzeit – von meiner damaligen Lehrerin abgesehen 🙂 – erinnere ich mich nur an angenehme Erlebnisse.
    Aber in dem Bruckhausen von heute, würde ich mein Kind nicht mehr alleine herumlaufen lassen. Schade.
    Gruss Simone

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  16. Tolle Fotos, Peter! Ich wünschte mir, dass all jene, die die Schließung von Braunkohlekraftwerken und -tagebauen fordern, diesen Beitrag sehen und lesen würden. Allzu leichtfertig werden solche Forderungen von Nicht-Betroffenen aufgestellt, und mit pauschalen und oberflächlichen Verweisen auf eine dann einsetzende, staatliche Förderung eines Strukturwandels garniert – der dann, so zeigt das Ruhrgebiet und vor allem Duisburg, vielfachen Niedergang und menschliche Brüche und auch Elend nach sich zieht.

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    • Hallo federflüsterin,
      vielen Dank. Habe mich sehr über deine lobenden Worte gefreut.

      Leider muss ich dir zustimmen. Die staatliche Förderungen haben nicht so viel bewirkt. Da vieles zum Teil verschwenderisch verschleudert wurde und anders Geld in unsinnige Maßnahmen gesteckt wurde. Nicht alles lief schief, aber einiges. Man kann vom Ruhrgebiet gut lernen wie man es nicht machen sollte. 🙂 Um Elend zu vermeiden, denn dies sollte an erster Stelle stehen.
      Danke dir.
      Liebe Grüße, Peter

      Gefällt 1 Person

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