Gedankenwirrwarr & Ruhrpott

Meine ganz eigene Welt

Horoskop

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Schloss Anholt vorne I

Das wunderhübsche, niederrheinische Wasserschloss Anholt bei Isselburg wurde erstmals 1169 erwähnt. Ein Herr „von Sulen en Anholt“ war wohl der Erstbezieher. Da war es noch ne Burg. Im Laufe der Jahre wechselten die Besitzer und die Burg ihr Äußeres. Der Großteil der heutigen Erscheinung stammt aus dem 17. Jahrhundert und gehört heute der Adels-Familie „zu Salm-Salm“. Berühmt wurde das Schloss besonders durch ihre verschiedenen Gartenanlagen aus dem 18.Jahrhundert und nicht zu vergessen die 45 Skulpturen des Bildhauers Wilhelm Gröninger. Sie stammen aus dem 17. Jahrhundert. Es gibt einen barocken Garten nach französischem Vorbild, aber auch einen englischen Landschaftsgarten mit Kanälen und Teichen. Mich interessierte allerdings der kleine Irrgarten, der nach den Vorbildern der guten, romantischen Zeit und alten Skizzen an Originalstelle wieder angepflanzt wurde.

Am Ende des 450 Meter langen Irrweges erwartet einen eine Aussichtsplattform und eine wundervolle Aussicht.

Schloss Anholt Irrgarten leer I

Wie ich nun da oben verweilte und die verschlungenen Wege des Labyrinths wahrnahm, verfiel ich meinen verherrlichenden Gedanken. Ich glitt ab, ab in eine Zeit kurz nach dem Sonnenkönig und erblickte vier junge Damen in stark taillierten Hochrokoko-Kleidern mit aufgesetzten Rüschen und Schleifen. Sie waren auf der Suche nach mir. Sie hielten ihre Rocksäume leicht kess über ihre Fußknöchel hoch, um mit ihren kleinen, trippeligen Schritten noch schneller durch den Garten zu streifen. Dabei lachten sie leise verlegen und eine gewisse unzüchtige Keckigkeit lag dabei in der Höhe ihrer Stimmen. Ich stand auf meiner Erhebung, in Kniebundhose mit Weste und Jacken-Rock, und mir gefiel der Ausblick, dieser Anblick.

Vier Damen, die um mich werben, um mich streben, und ich rief ihnen zu: „Meine Lieben, wer zu erst bei mir ist gehört der erste Tanz heute Abend auf dem Ball.“ Ihr Lachen wurde nur noch schamloser und ihre kleinen Schritte wurden noch trippeliger. Ich vernahm einen vorlauten Ruf: „Ich bin gleich bei Ihnen, mein geliebter Graf. Ich kann es kaum erwarten, mein kleines Herz hüpft vor lauter Vorfreude. Meine Lippen verzehren sich nach Ihren.“ „Angélique, ich erkenne deine Stimme. Ach, du meine kleine, schamlose Maid.“ antwortete ich ihr und hoffte, sie wäre die Siegerin in diesem kleinen Wettstreit um mich. Ich sah sie vor mir in ihrem Kleid, ihre bebenden, lebensbejahenden Brüste, die durch ihr Schnürbrust besonders gehoben und somit betont wurden, ihre kirschroten, verlangenden, sinnlichen Lippen. Plötzlich ertönte das Wort: „Probe fahren“. Ich hörte ein knarrendes Geräusch in meinem Unterbewusstsein, wie, wenn eine Nadel eines Plattenspielers quer über ein Schallplatte rutscht. Ich wurde aus meinem liebgewonnen Traum gerissen und dachte an: „Probe fahren“.

Ich tauschte meine romantische Rokoko-Zeit, meine Kniehose und meine weißen Strümpfe gegen 2019, eine Jeans und der Deutschen Bahn. Ich befand mich in einem Zug von Essen nach Duisburg. Es war ein schnöder Dienstag und noch keine 18.00 Uhr. Hinter mir saßen zwei recht junge Damen. Beim Vorbeigehen, auf der Suche nach einem freien Platz, warf ich einen kurzen Blick auf sie. Beide waren sehr schlank und äußerst zierlich. Hatten lange blonde Haare und ich schätze sie auf nicht mal zwanzig Jahre. Ich sollte mich gewaltig irren, denn eine der beiden jungen Damen war 9.431 Tage alt.

Die Beiden sprachen recht laut, versuchten den ratternden, monotonen Klang der Gleise zu überspielen und ihr lautes Lachen und das Wort „Probe fahren“ riss mich aus meinen eigenen Gedanken. Auf eine komische Art dachte ich zuerst an ein VW Polo, bis ich die Worte vernahm: „ Das meinte der Idiot doch nicht im Ernst.“ „Doch, er sagte, bevor ich eine Beziehung mit dir eingehe, müsste ich dich erst Probe fahren.“

Ich stand immer noch auf der Plattform, blickte auf meinen Irrgarten und meine Rokoko-Damenwelt war fort, verschwunden. Erschienen ist gedanklich dafür die Bahn und die Erinnerung an die Worte: „Die Typen von heute wollen alle keine ernsthafte Beziehung mehr.“ Und ich dachte nur: „Genau das haben eure Mütter auch schon gesagt“ und musste leicht grinsen, während mir mitgeteilt wurde, dass die beiden Damen ein gewisse Liebe zu Sternzeichen entwickelt haben. Nun sind für mich diese Art von Zeichen ein Buch mit sieben Siegeln. Aber ich durfte hocherfreut vernehmen, dass Fisch ein ganz besonderes Sternzeichen sei. „Ich bin Fisch.“, fiel mir ein, „Zwar eher so ein Durchschnittsrotbarsch, aber immerhin.“, und nahm ganz entzückt weiter wahr, „Fische sind wohl nicht übel. Fisch soll ganz gut zu mir passen. Bin nämlich…“ Da schlugen die Räder des Zuges besonders hart durch und mir fehlt nun das entscheidende Wort, welches die holde Maid aussprach.

Was passt denn jetzt gut zu Fisch? Mist.“, und ich fragte mich weiter, ob ich der jungen Dame mitteilen sollte, dass ich Fisch bin? Ließ dann aber doch davon ab. Während das andere Mädchen nicht umhin kam: „Ich habe da eine tolle Sternzeichen App. Du gibst dein Geburtstag und Uhrzeit ein und schon bekommst man alles Nötige.“ Für einen kurzen Augenblick herrschte Ruhe und dann lauschte ich gewollt und neugierig weiter: „Siehste, bin heute 9.431 Tage alt. Schau mal an. Fisch und Jungfrau passen zu mir.“ Ich erfreute mich über meine große Beliebtheit, die allerdings augenblicklich ein jähes Ende fand. „Ach nee, Fische sind disziplinlos, umständlich und unzuverlässig. Das ist nix für mich.“ „Dafür sind sie charmant und feinfühlig.“ las die andere junge Dame vor. „Lass mal, ich will einen richtigen Kerl.“

Ich schaute aus dem Fenster und sah den Mülheimer Hauptbahnhof an mir vorbeiziehen und dachte nur: „Noch eine Haltestelle und ich komme aus diesem Drama raus.“ Aber noch ließ es mich nicht los. „Und wie sind die im Bett?“ „Spitze“, dachte ich, „Einfach nur Spitze.“, und sah vor meinen geistigen Auge Hans Rosenthal in die Luft springen. Aber auch dieses Hochgefühl hielt nur kurz. „Auch nicht der Bringer.“, wurde mir herzlos beigebracht. „Untreu.“ Ich wollte schon meine Hand heben und Einspruch einlegen, da ging es aber noch weiter, „Er mag es wohl, wenn man beim Vorspiel an seinem Zeh lutscht.“ Jetzt saß ich ganz versunken, klein und mit hochrotem Schädel in meinem Bahnsessel und hörte: „Widerlich. Kann der Typ überhaupt was?“ „Nicht viel. Klingt alles umständlich.“ „Ok, Fische sind raus. Und Jungfrauen…?“

Der Duisburger Hauptbahnhof rettete mich und jetzt stand ich wieder vor dem Irrgarten, suchte die Damen, die um meine Gunst buhlten und blickte nur auf all die leeren Abzweigungen, auf die Sackgassen, all die Hecken, die den Blick versperren und nur ein Weg führt wieder raus. Sehnte mich nach meinem Tagtraum. Nach dem – ohne Horoskop.

Schloss Anholt Irrgarten MädchenI

Schloss Anholt Tor II

Schloss Anholt Garten II

Schloss Anholt GartenI

Schloss Anholt Haupttor I

Schloss Anholt Garten Blume I

Schloss Anholt Café II

Schloss Anholt Brücke

Schloss Anholt Ente I

Schloss Anholt SeietI

Schloss Anholt SpringbrunnenI

Schloss Anholt Irrgarten I

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Autor: rejekblog

Ich bin 1964 in Duisburg geboren und lebe fast die ganze Zeit im Ruhrpott. In meinem Blog möchte ich gerne etwas über den Ruhrpott erzählen und was hier so los ist. Und natürlich, was so in meinem Kopf los ist. Nicht viel, ich gebe es zu.

35 Kommentare zu “Horoskop

  1. Moin, Du Rotbarsch! Wat meinte die Eine, Fische können nix? Ha! Immerhin könnense richtig toll erzählen und grandiose Fotos machen, und dat reicht doch, oder?

    Liebe Grüße, Werner 🙂

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  2. Ein interessanter Spaziergang und eine herrliche Geschichte! Danke!
    Liebe Grüße! Ingrid

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    • Hallo Ingrid,
      danke dir. Das Schloss ist wirklich wunderschön. Die Gartenanlagen sind sehr beeindruckend. Werde ganz bestimmt Ende Mai, wenn alles blüht, noch einmal dorthin reisen.
      Schön von dir zu hören.
      Liebe Grüße, Peter

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  3. Bei den Horoskopen kommt es immer drauf an, in welchen Zeitschriften, Büchern usw. du es liest. Ich bin sicher, bei einigen schneidet auch der Fisch gut ab.
    Letztendlich meine ich aber: Unsinn! 😉

    Du magst es, wenn sie an deinem Zeh lutscht … :mrgreen: … soso.

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  4. Deine Phantasie ist wirklich unglaublich … und eine Kombination von Tagträumen, Reisen und Echtzeitladies ergibt mal wieder eine unterhaltsame Story 🙂

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  5. Hieß es nicht mal: Reisen bildet? :-)))) Einen schönen 1. Mai noch.

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  6. Hallo Eberhard,
    🙂 du sagst es, aber muss es immer so sein. 🙂
    Danke dir. Auch dir noch einen schönen Rest-Feiertag.
    Liebe Grüße, Peter

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  7. ich brech weg … musste lauthals lachen …. du hast mir den Abend versüsst …. übrigens … ich liebe FISCH

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    • Hallo feerluwa,
      🙂 ich danke dir. Ein schöneres Lob kann es gar nicht geben. Dank dir, habe mich sehr darüber gefreut.
      FISCH ist auch toll, ist etwas ganz einzigartiges. 🙂
      Danke schön.
      Liebe Grüße, Peter

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  8. ich hoffe, ich konnte dich mit meinem Beirag etwas aufheitern, falls du ihn gelesen hast, Klaus

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  9. Ich sitze im Büro und habe laut los geprustet. Herrlich deinen Geschichten und wahnsinnig schöne Bilder. Das Gen deiner Phantasie und Geschichten Erzählkunst fehlt mir komplett.

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  10. Ach nee, wat schön:-))) lache immer noch:-))…..und dat Schlösken?…och nich schlecht……ich hoffe, es geht Dir gut, Du wilder Fisch, Du:-)))))))))) Liebe Grüße Corinna

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    • Hallo Corinna,
      der wilde Fisch freut sich über deine herrlich liebevollen Worte. Schön, dich zum Lachen gebracht zu haben.
      Jap, mir geht es so weit gut. Alles in Ordnung.
      Habe viel Spaß auf deiner Insel.
      Liebe Grüße, Peter

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  11. Peter, eine sehr schöne Geschichte, ich habe viel gelacht. Sehr schöne Fotos von einem schönen Gebäude und einem schönen Garten.

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  12. Ganz schön verrannt, im Tagtraum. Da muss man erst einmal wieder rausfinden.
    Das Wasserschloss Anholt eine schöne Location zum träumen.

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    • Hallo Petra,
      das Schloss und die Parkanlage sind wirklich ein Traum. königlich sind auch die Kaffeepreise. Ne Tasse 5.50 Euro. Hätte vorher in die Speisekarte schauen sollen. 🙂 Da geht danach schon mal die Fantasie durch und man verliert den Überblick.
      Danke dir vielmals. Habe mich sehr gefreut von dir zu hören.
      Liebe Grüße, Peter

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  13. Hallo Peter, das Wasserschloss schaut toll aus und ich frage mich, ob ich irgendwann schon mal dort war *rätsel* 😉 Liebe Grüße, Annette

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    • Hallo Annette,
      oh ja, ist sehr hübsch dort. Scheint aber bei dir vielleicht keinen bleibenden Eindruck hinterlassen zu haben. 🙂 🙂 Verständlich, bei der Menge an Burgen und Schlössern in unserer Region. Da kann man sich nicht alle merken.
      Danke dir.
      Liebe Grüße, Peter

      Gefällt 1 Person

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