Gedankenwirrwarr & Ruhrpott

Meine ganz eigene Welt

Frühjahrsgefühle

16 Kommentare

Hose 1

Für die Frühjahrsgefühle soll wohl die Zirbeldrüse verantwortlich sein, behauptet so mancher Endokrinologe. Ach ja, irgendjemand muss immer den Kopf hinhalten. Sie schüttet Melatonin, so ne Art Schlafhormon, aus und wenn die Tage länger werden und mehr Licht unser Gehirn durchflutet nimmt das Hormon ab und die Liebeslust steigt und wir möchten voller Glückseligkeit die ganze Welt umarmen und mögen ab da alles und jeden. Nun, wie die Gallier in ihrem kleinen Dorf tanze auch ich aus der Reihe. Ich mag auch ohne fehlendes Melatonin noch lange nicht alles

Es gibt nämlich zwei Dinge die ich wirklich überhaupt nicht mag. Ok, es sind schon erheblich mehr Dinge die ich nicht mag, aber diese beiden Sachen sind schon „magenumdrehende“ Schrecklichkeiten, fast so wie die Geschichten von Edgar Allan Poe, der Versuch des streifenfreien Fensterputzens oder Gulasch mit Nudeln.

Jap, diese beiden Dinge mag ich wirklich nicht. Ersteinmal ist es Tanken. Ich hasse Tanken. Es kommt immer ungelegen. Aus einem mir nicht erfindlichen Grund ist der Tank meines Autos ewig leer. Dieses kleine Lämpchen in Form einer Zapfsäule in meinem Armaturenbrett leuchtet immer dann gelb auf und signalisiert mir unmissverständlich, dass ich nun einen Umweg zu einer Tankstelle machen sollte, wenn ich es eilig habe. Ich muss allerdings gestehen, ich habe überhaupt gar kein Auto, was mich gerade komischerweise an Kaffeewerbung erinnert, egal, es ist so. Ich teile mir mit meinem Vater ein Auto. Er braucht so gut wie keins, ich brauch so gut wie keins, was nach Adam Riese „Eins“ ergibt. Und da mein alter Herr dem Befüllen ebenfalls nicht so verbunden ist, steht der hornalte Automatik-Altherren-Opel meist leer in der Garage.

Das zweite und weit aus schlimmere Thema ist Garderoben-Kauf. Dagegen wäre für mich das Liegen unter dem poe`schen Pendel des Todes das reinste Vergnügen. Schon die Vorstellung etwas zum Anzuziehen zu erwerben empfinde ich als grauenerregend.

Wobei ich es sehr schätze nur die Begleitung zu sein. Ich gehe äußerst gerne mit der Dame meiner Wahl in die unterschiedlichsten Arten von Boutiquen und sehe ihr dabei zu wie sie durch Kleidungsstücke ihre Persönlichkeit hervorhebt oder verändert. Gilt auch für Schuhkauf, obwohl es da hin und wieder zu polarisierenden Ansichten kommt und zu Aussagen wie, „Darin kann ich aber nicht laufen.“, und ich mir nur denke: „Sollst du ja auch nicht.“ Nun, ich begleite gerne und es kam auch mal zu der Bemerkung: „Du bist mein schwuler Freund.“ Ich sogleich herum grübelte, ob sie dies bei unserer planmäßigen jährlichen Koitus-Veranstaltung auch so empfindet?

Und wo wir gerade bei jährlichem Ritual sind, dies erinnert ich mich daran, dass der Frühling kommt und ich mir meist im Frühjahr eine neue Jeanshose zulege. Ich gebe es zu, ein etwas wirrer Gedankensprung. Ich erwerbe dann eine Zweithose, da meine Ersthose den Geist aufgibt. Stimmt, ich habe tatsächlich nur zwei Jeanshosen. Warum auch mehr, ich kann ja eh nur eine zur gleichen Zeit tragen.

Also, wie gehabt, kurzentschlossen ins Geschäft und auf die schnelle eine Levis 527 Größe 32/32 erwerben und das leidige Thema ist vom Tisch. Trage seit Jahren diesen Typ. Aber diese Firma hatte sich dem Modediktat unterworfen und das Model vom Ladentisch genommen. Auf einmal sah ich mich mit so abstrakten Nummer wie 511 und 514 oder Namen wie Slime Line und Slime Fit Line konfrontiert.

Ich versuchte mein Glück mit diesen Buchsen in der Umkleidekabine, ein großes Wort für dieses Räumchen. Die Enge des Kabuffs passt sich maßgeschneidert den Hosen an. Bei dem kläglichen Versuch, in kreuzbrechender Haltung, meine Quadratlatschen durch die engen Stumpen zu drücken, stieß ich andauernd mit meinem Hintern gegen den kalten Spiegel und drohte, auf einem Bein stehend, auch noch ständig gegen diesen zu klatschen, was die ganze Sache zu einem unvergessenen Kauferlebnis machte. Und irgendwo in den Verkaufsräumen dieses First-Class-Einkauftempels las ich tatsächlich den Werbespruch: „Tauchen sie ab in unsere neue Erlebniswelt“, was das Ganze gerade für mich noch absurder machte. Nach getaner, schweißtreibender Arbeit steckte ich in dieser Hose und kratze meinen ganzen Mut zusammen und trat aus der Kabine in die Öffentlichkeit vor einen Spiegel um mich in voller Pracht zu bewundern, der natürlich auf der anderen Seite dieser Shopping-Mall befand und alle anderen Kunden, die mich jetzt sahen, den Begriff „neue Erlebniswelt“ endlich verstanden.

Da stand ich nun vor dem Spiegel in meiner Slime-Line und dachte sofort an die Fleischereifachverkäuferin, die, nachdem ich nach Brühwürstchen fragte, freundlich nachhakte: „Die extra dünnen?“ und ich dachte: Wie mögen die wohl aussehen?“. Jetzt wusste ich es. Ich sah meine Beine und ich verstand. Es fehlte nur noch der Naturdarm und man hätte meine Haxen als Bioware, „wir kennen die Sau mit Namen“, über die Ladentheke als „extra-super-slime“ reichen können.

Geschwind zurück in diesen Abstellraum und raus aus dieser Zwangsjacke in der ich steckte und nun feststeckte. Mir hatte keiner gesagt, dass man zum Entfernen dieser Hose eine zweite Person braucht. Mit dem Hintern am Spiegel klebend versuchte ich wenigstens einen Fuß durch das Hosenende zu ziehen und dachte dabei an das Mädchen mit der ich vor einer Ewigkeit eine schnelle Missetat beginnen wollte und ich ein gefühltes ganzes Leben an meinen Cowboy-Stiefeln zerrte. Bis ich dann feststellte, dass ich wohl schon einen ganze Weile allein auf der Couch saß.

Auch diesmal verlassen und allein und mit Schmerzen in Beinen und Rücken, brachte ich die Hose zurück ins Verkaufsregal und entschied mich nun für eine 501er, in der ich mal vor 30 Jahre relativ geschmeidig aussah. Ab in die Bux und erneut vor einen Spiegel. Was ich natürlich nicht bedachte, meine Erinnerung an meinen jugendlichen Charme und Aussehen war ebenfalls mehrere Jahrzehnte alt, und wäre just in diesem traurigen Moment eine Young-Fashion Fachverkäuferin, die meine Tochter oder Enkelin hätte sein können, aus dem Nichts an meine Seite getreten und hätte mir ins Ohr gesäuselt“ „Die steht Ihnen aber gut!“, hätte ich eine Klage wegen Beleidigung und unzüchtigen Benehmens gegenüber einer Fachverkäuferin am Hals.

Hose_Urlaub

So marschierte ich Tage später mit einer dreckigen Ersthose am Hinter und defekter Zweithose im Beutel zu einer Schneiderin, die mir dann erklärte: „Scheiden tut weh. Da hilft auch keine OP.“

Ich wurde stolzer Besitzer einer 501er. Ist bald ein Jahr her und jetzt kommt das neue Frühjahr und alte Gefühle kommen auf.

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Autor: rejekblog

Ich bin 1964 in Duisburg geboren und lebe fast die ganze Zeit im Ruhrpott. In meinem Blog möchte ich gerne etwas über den Ruhrpott erzählen und was hier so los ist. Und natürlich, was so in meinem Kopf los ist. Nicht viel, ich gebe es zu.

16 Kommentare zu “Frühjahrsgefühle

  1. Bei dem Umkleidekabinenkampf wäre eine Live-Übertragung zu deinem Blog lustig gewesen …aber Kopfkino tut’s auch 😉

    Gefällt 3 Personen

    • Hallo steinegarten,
      ohje, und dann noch das Ganze auf youtupe. Dann würde ich morgens mich nicht mehr in die Tram trauen, jeder Schüler brüllt: Mach´s noch mal.
      Nee. Aber sehen würde ich es trotzdem einmal gerne. So ungelenk.
      Ich danke dir sehr herzlich, habe mich sehr gefreut.
      Liebe Grüße, Peter

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  2. Ich lache immer noch:-)) Wunderbar geschrieben:-)) warum bestellst Du denn Deine neuen Jeans nicht einfach online??…obwohl, nö….dann kriegen wir keine so herrlichen Geschichten mehr erzählt:-) Liebe Grüße Corinna

    Gefällt 3 Personen

  3. Umwerfend. Und glaub nicht, du wärst allein. Nur redet keiner drüber. Ich liebe nun diese engen Jeans, da sie genau das hervorheben, was in meinem Alter ohne weiteres Schummeln noch vorzeigenswert ist. Rein geht ja noch – aber die Slim Fit Stretch über Füße mit Schuhgröße 40 wieder ausbekommen ohne Krämpfe – das will geübt sein. :-))))). So bleibt man fit! Du schaffst das schon ….

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    • Hallo Eva,
      danke dir für die aufmunternden Worte. Yes I can. 🙂 Da muss sogar ich lachen. Und dann gibts beim Ausziehen auch noch Krämpfe? Oh Gott.
      Und zu eng geht bei mir nicht, ich muss bei meinem flachen Hintern schummeln. Ich beneide dich. Ach.
      Danke dir. Ich freue mich.
      Liebe Grüße, Peter

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  4. juhu, ob Hula Hoop helfen würde?

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  5. Oh je, was für ein Drama, die Lieblingshose kaput, oder in der Wäsche. Und dann noch in der engen Kabine anprobieren. Das muss aber jetzt für die nächsten zwei Jahre reichen. Jetzt muss -Mann- sich erst erholen!

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    • Hallo Petra,
      du sagst es. Hab jetzt noch einen roten Kopf und bin ganz außer Puste.
      Aber es sieht so aus, als käme ich wohl nicht drumherum mal wieder loszustiefeln.
      Ich danke dir und freue mich sehr von dir zu hören.
      Liebe Grüße, Peter

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  6. *…jährlichen Koitus-Veranstaltung …“

    Herzallerliebst und lachendzereißend geschrieben. Danke !

    Gefällt 2 Personen

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