Gedankenwirrwarr & Ruhrpott

Meine ganz eigene Welt

Novemberzeit gleich Melancholiezeit

4 Kommentare

Bottrop Faultürme beleuchtet

Heute beim Arzt. Nee, ich fange die Sache doch lieber anders an.

Single? Damit meine ich nicht eine Grammophonplatte, sondern unbegleitet lebend. Jap. Also… nur so, wenn man noch zu Haben ist, ist das eigentlich kein so schlechter Zustand, denn dann kann einem jeden Tag die „Große Liebe“ über den Weg laufen und das Ganze ohne ein schlechtes Gewissen. Wenn man in einer Beziehung steckt, darf einem das nicht passieren. Sonst gibt es Ärger, Trennung und reichlich Liebeskummer. Eigentlich egal, denn den hat man sowieso. Ach ja, Beziehungskram und dann noch Herbstzeit. Schöner Mist! Der Sommer ist endgültig vorbei, sogar der Altweiber Sommer. Es ist November. Sagen wir mal, es wird jetzt fünf Monate dauern bis man wieder auf einen Tag mit 20 Grad hoffen darf und man nicht vor der Sonne aufsteht. Manche behaupten, dies wäre die Zeit mit dem größten Melancholie-Faktor.

Die historische Entwicklung der Melancholie hat ihren Ausgangspunkt in der Antike. Was für ein bescheuerter Begriff. Ich meine, was hat seinen Ausgangspunkt nicht in der Antike. Man findet immer einen griechischen oder römischen Hansel, der mal angefangen hat sich mit Themen zu beschäftigen, die nichts mit Mord und Totschlag zu tun hatten. Denn ein Zeitraum von 1.200 v. Chr. bis 600 n. Chr. ist doch lächerlich ungenau. Gut, manche behaupten auch 800 v. Chr., da streiten sich mal wieder die Gelehrten, aber das macht den Kohl nun auch nicht fett.

Also, Ausgangspunkt war die Humoral Pathologie, oder anders formuliert: Irgendwas mit Körper-Säften, was jetzt nichts mit Dirty Talk zu tun hat, darauf komme ich irgendwann mal zurück. Ich kann nämlich stundenlang über Sex reden, obwohl ich nicht den blassesten Schimmer davon hab. Sondern Hippokrates und seine vier Säfte. Aus irgendeinem Grund gibt es bei melancholischen Menschen einen Überschuss an „Schwarzen Säften“, die sich, ich habe keine Ahnung wieso, weshalb, warum ins Blut ergießen und dann fängt man an Gedichte von Rilke zu lesen. Schlimmer geht nimmer. Ein paar Jahrhunderte später hat der antike, wann den sonst, Mediziner Galen festgestellt, dass der schwarze Saft in der Milz und den Hoden produziert wird. Was mich gerade unweigerlich, gedanklich an die Faultürme der Bottroper Kläranlage erinnern lässt, die im Volksmund auch gerne „Eier“ genannt werden.Und ich das jetzt nur erwähne, damit ich das blöde Bild oben rechtfertigen kann… Also zurück zu Hoden oder nicht.

Als Frau, sagen wir mal, wenn man da keine Milz mehr hat, ist man eigentlich fein raus, ich meine aus der Sache mit der Melancholie. Wenn man den Ärzten der Antike trauen darf. Nun erfüllt die Milz im Alter nicht mehr eine so überlebenswichtige Funktion, außer, so glaubt man, man steht auf „Seitenstechen“. Milz- und Hodenliebhaber müssen dann wohl auf die Medizin hoffen. Gleiches mit Gleichem heilen, nach dem Arzt Paracelsus, könnte da helfen. Melancholie mit Melancholie oder Liebeskummer mit Liebeskummer. Wie ich mir das nun praktisch vorstellen soll? Keine Ahnung. Habe Liebeskummer, verliebe mich erneut, trenne mich sofort und heile mit dem neuen Kummer den alten? Na, das kann ja heiter werden. Überhaupt, was versteht man nun unter Liebe? Da haben wir die Mutterliebe, Geschwisterliebe, Nächstenliebe, Liebe mit Schmetterlingen, inklusive gleichgeschlechtlicher Liebe oder auch Sodomia, was die Kirche nicht so gerne sieht. Stand sogar mal unter Todesstrafe. Heute steht der Begriff für ein anderes, zwischenmenschliches Vergnügen.

Und wo wir nun schon bei dem Thema sind: Romantik, also nicht diese Art von Romantik. Die Epoche. Endlich mal ein Zeitabschnitt, der sich halbwegs ordentlich eingrenzen lässt. So waren sich die Dichter und Denker, zwischen irgendwann und 1850, einig, Dunkelheit und Grübelei, also die süße Melancholie, kann auch zu Genialität führen.

Die Jugend hat heute kaum einen Raum für schöpferische Aktivität. Von außen kaum für bedeutende Handlungen angeregt, liegt ihre einzige Aussicht in einem schleppenden, geistlosen Leben hinhalten zu müssen, befreundete man sich, in unmutigem Übermut, mit dem Gedanken, das Leben, wenn einem nicht mehr anstehe, nach eigenem Belieben allenfalls verlassen zu können.“ Na, die leidenden Worte des jungen W. von Goethe reißen einen da nicht gerade raus, aus der Melancholie. Übrigens, löste das Buch im deutschsprachigen Raum eine noch nie dagewesene Selbstmordwelle aus. Hunderte von jungen Menschen sprangen in Flüsse, schnitten sich die Pulsadern auf oder schluckten Gift. Eigentlich Wahnsinn und Goethe geriet ganz schön in Erklärungsnot. Jetzt trau ich mich überhaupt nicht mehr, das hier zu veröffentlichen.

Schnell etwas anderes, die Ärzteschaft war wohl übermäßig viel Licht ausgesetzt. Wenn man das mit Dunkel und Genial trauen darf, denn, Handbücher aus dieser romantischen Zeit schreiben der Frau vor, sie sollte im Bett warmherzig, aber inaktiv sein, was eigentlich mein Part ist, und sich ansonsten um Heim und Kind kümmern. Jetzt komm mir noch mal einer mit, früher war alles besser.

Wie komme ich denn nun auf den ganzen Blödsinn? Wie immer, ich grüble zu viel. Nö, im November tingle ich durch Arztpraxen und stöbere mich wild durch die Frauen-Illustrierten-Landschaft. Und dort las ich, Novemberzeit gleich Melancholiezeit, fehlendes Sonnenlicht gleich fehlende Glückshormone, Abhilfe schafft: reichlich körperliche, wollustige Aktivität. Sex ist angesagt. Ich bin froh heute zu Leben. Ok, mir bleibt allerdings nur der Kauf einer „Gute Laune Lampe“ oder besser noch einer Stadion-Flutlichtanlage.

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Autor: rejekblog

Ich bin 1964 in Duisburg geboren und lebe fast die ganze Zeit im Ruhrpott. In meinem Blog möchte ich gerne etwas über den Ruhrpott erzählen und was hier so los ist. Und natürlich, was so in meinem Kopf los ist. Nicht viel, ich gebe es zu.

4 Kommentare zu “Novemberzeit gleich Melancholiezeit

  1. Du weisst ja: das Lesen einer Frauen- oder Fernsehzeitschrift beschert dem Leser keine Erleuchtung, auch nicht im trüben November, sondern etwa 23 neue Erkrankungen.
    Ich schrieb hierüber schon einmal
    https://kohlenspott.wordpress.com/2017/09/18/hilft-fuer-gegen-alles-oder-was/
    Ja, es wäre schön, wenn man den Zustand von Verliebtheit öfter – oder einmal so richtog lebenslang- genießen könnte. Dann gäbe es keine trüben Gedanken und vermutlich auch weniger Erkrankungen.
    Wobe, so richtig stimmt das nicht:
    Würde ich mich heute oder morgen so schön neu verlieben, hätte ich vermutlich schon bald Kopfschmerzen.
    Verursacht durch meine Frau, wenn sie davon erführe.
    Verdelli, dat Leben ist kein Ponyschlecken.
    Aber – wem schreibe ich das…
    Herzlichen Gruß!
    Lo

    Gefällt 1 Person

    • Die Zeitschriften sind schon komisch. Sie brechen immer alles auf den kleinsten, blödsten Nenner runter. „Männerzeitschriften“ sind da nicht besser.
      Um auf deinen Beitrag zurück zukommen. Du hattest dort Werbung gegen Altersflecken, hast du die noch? Weiß nicht, ob dass bei mir Sommersprossen oder schon mein Alter ist. Mach mir doch Sorgen.
      Liebe Grüße

      Gefällt 1 Person

  2. Was die Zeitschriften anbetrifft kann ich alle Vorurteile bestätigen …arbeite ständig für Mann/Frau Zeitschriften und muss dann in die Redaktion zum Gespräch…aber was die Lichttherapie anbetrifft hätte ich da ne Idee : Flutlichtanlage im Borussia Stadion in Dortmund …so wie die gerade herumbolzen sollten sie das lieber im Dunkeln machen und du könntest es dir dann auf dem Rasen gemütlich machen…
    Hoffe ich höre bald von Gesundheitsfortschritten ! Beste Grüsse dahingehend von Jürgen

    Gefällt 1 Person

    • Deine Idee gefällt mir, allerdings vermute ich hätte der Sender Sky mit der Übertragung leichte Probleme. Ich meine, da sitzt 90 Minuten so ein Hansel recht regungslos auf´m Rasen. Ok, ähnelt zurzeit etwas dem BVB. Sorry. Bin leichter BVBler, aber in erster Linie MSVler.
      Und der Rest folgt später. Termine waren und kommen noch.
      Grüße aus´m Pott

      Gefällt 1 Person

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