Gedankenwirrwarr & Ruhrpott

Meine ganz eigene Welt

Das Ruhrgebiet – ein Märchen

8 Kommentare

 

Gneißenau Straße Duisburg Neudorf_2

Stromkasten: Gneisenau Straße, Duisburg-Neudorf

Das Ruhrgebiet steht für Begriffe wie „harte Arbeit“, „ehrliche Haut“, „Kumpel“, „Malocher“, weniger für Romantik, Sagen, Märchen oder Geschichten. Man kann schon sagen, dass der Pott eine sagenumwobene Landschaft hat … ne, klingt komisch. Ich meine, man erzählt im Pott auch ne Menge Märchen… auch etwas irritierend formuliert. Anders: Das Ruhrgebiet kann auch in Geschichten. So erzählt man sich von Nymphen im Essener Berne Wäldchen, von Nixen, Zwergen, Kobolden und klar: Jungfrauen und edlen Rittern. Und wie es sich nun mal so für Sagen oder Märchen gehört, liegt immer eine Menge Wahrheit in den Erzählungen.

Wie die Geschichte um Haus Heisingen in Essen. So erzählt man sich in dunklen Nächten, dass der Ritter aus dem Haus Heisingen um 1350 einen Italiener namens Bardelli, der dem gutgläubigen Edelmann versprach, unter zur Hilfenahme der Alchemie, aus Mist Gold zu machen und da es nun nicht so wirklich gut klappte, kurzerhand lebendig in seinen Rittersaal eingemauert hat. 500 Jahre später fand man bei Umbauarbeiten ein menschliches Skelett hinter einer Mauer. Noch heute soll eine hagere, weiße Gestalt mit einem unverständlichen, italienischen Kauderwelsch die Gegend unsicher machen und Pizzen backen. Tja, ist man einmal bei einem Pottler unten durch, wird es schwer aus der Nummer wieder raus zukommen.

Genauso wahr ist die Erzählung von der Jungfrau und dem Rittersmann aus Castrop. Dort lebte auf dem hohen Berge „Eselsberg“ eine Jungfrau in einem verhexten Schloss. Niemand sollte die betörende Dame je zu Gesicht bekommen noch in seinen ritterlichen Armen halten dürfen. Das steigerte natürlich Begehrlichkeiten. Der steile Weg zum Schloss war so glatt wie Eis oder Glas, so dass kein Begehrender den Gipfel erklimmen konnte. Wenn die edlen Ritter hoch zu Ross den Aufstieg dennoch wagten um die Jungfrau zu retten, stürzten sie reihenweise in die Tiefe und zu Tode. Bis eines Tages ein Edelmann erneut die Kühnheit besaß. Er, gutaussehend, markante Gesichtszüge, Waschbrettbauch, breite Schultern, rein im Herzen und natürlich volles, tolles, rotes Haar, ließ sein Pferd mit goldenen Hufen beschlagen und machte sich auf den gefährlichen Weg. Und siehe da, der Boden gab nach und unser Recke erreichte sein Ziel. Die holde Jungfrau wurde von ihrer Pein erlöst. Der Grund, warum es jetzt im Ruhrgebiet so viele tolle, rothaarige Knappen gibt. (Gewisse Ähnlichkeiten mit dem Autor sind rein zufällig und nicht beabsichtigt)

Oder die Sache mit dem Fuchsschwanz. Vor vielen, vielen Jahrhunderten verirrte sich ein Wanderer in der bergischen Landschaft und den dunklen Wäldern in der Nähe von Hagen-Hohenlimburg. Kurz vor der Dämmerung traf er einen Zwerg und fragte ihn nach dem Weg zum Schloss Hohenlimburg. Der Zwerg freundlich: „Der kürzeste Weg führt direkt durch den Berg. Aber die Höhle ist der reinste Irrgarten. Damit du dich nicht verläufst, gebe ich dir meinen Fuchs mit. Halt dich gut an seinem Schwanz fest. Er bringt dich sicher durch den Berg.“ So hielt sich der Bursche an der rotbraunen Lunte ordentlich fest und der kleine, vierbeinige Schlaukopf führte ihn über rutschiges Geröll und scharfes Gestein sicher durch die heutige Kluterthöhle auf die andere Seite direkt vor den Toren Hohenlimburgs. Darum hatte noch bis weit in den 1990 Jahren jeder Ruhri einen Fuchsschwanz an seinem Opel Manta. Man musste nur dem flatternden, behaarten Teil, an der Antenne vorne an der Motorhaube, folgen und man konnte sich nie verfahren. Von wegen Proll oder blöd, wir wissen schon was wir tun.

Oder die einzig wahre Geschichte: Warum man im Pott Kohle gefördert hat. Die kennen nur die Wenigsten. Muss so um 1.000 n Chr. gewesen sein. Im Muttental oben bei Witten lebte ein Schweinehirte. Eines Abends, als er eine Herde bewachte, entdeckte er die Kohle. Die Schweine wühlten mit ihrer Schnauze im Schlamm und Dreck und förderten dabei das schwarze Gestein zu Tage. Er sammelte Holz für sein Lagerfeuer und dabei gerieten einige Brocken versehentlich mit ins Feuer. Am nächsten Tag glimmten die Steine immer noch, während die Holzscheite bereits abgebrannt waren, und hielten ihn im morgendlichen, kalten Dunst weiterhin warm. Er brachte das Gestein in sein Dorf und fortan wurden alle Kochstellen damit befeuert und da das Zeug so hart wie Stein war, nannten die Bewohner es: Steinkohle. Eines Tages hörte der Bursche, dass das holde, wunderhübsche, tugendhafte Burgfräulein ein Gemahl suchte. Er machte sich, zwar mit wenig Hoffnung gegen all die Edelmänner bestehen zu können, auf den Weg und wollte mit der Kohle ihre Gunst gewinnen. So durfte unser rothaariger Knabe ohne Fehl und Tadel vorsprechen. Er legte das Gestein ins Kaminfeuer und es fing sofort, in herrlichen, rot-gelben Farben, an zu glühen und spendete der edlen Maid wohlige Wärme. Die Schönheit war dermaßen verzückt, dass sie unseren Helden zum Manne nahm. Sie lebten bis alle Tage glücklich und zufrieden. Ab da buddelte jedermann nach dem schwarzen Gold in der Hoffnung auf seine Allerliebste. Der einzig und wahre Grund warum hier so tief und lang gegraben wurde. Daher stammt der Begriff: Ein Mädchen angraben. Hätte ich das mal eher gewusst, jetzt ist´s zu spät noch ein Kumpel zu werden. Mist!

Ich hoffe, ich konnte einige Eigenarten des Ruhrgebietlers sachlich, objektiv und rein wissenschaftlich darlegen. Und etwas zur Aufklärung beitragen.

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Autor: rejekblog

Ich bin 1964 in Duisburg geboren und lebe fast die ganze Zeit im Ruhrpott. In meinem Blog möchte ich gerne etwas über den Ruhrpott erzählen und was hier so los ist. Und natürlich, was so in meinem Kopf los ist. Nicht viel, ich gebe es zu.

8 Kommentare zu “Das Ruhrgebiet – ein Märchen

  1. Wieder was gelernt. Und das auf so unterhaltsame Weise. Tausend Dank!

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    • Ich habe Ihnen zu danken! Und immer wieder gerne. Ich habe gelesen, dass man mit Musik schneller lernt und das Gelernte besser festigt. Wollte nun auf youtupe meine Texte singend vortragen. Ha! Ob Sie mir dann noch danken?
      Ich danke Ihnen und ich freue mich!
      Grüße aus´m Pott

      Gefällt 1 Person

  2. Da zeigt sich das Ruhrgebiet einmal von einer ganz neuen Seite, so kennt man es nicht,
    voller Märchen und Mythen. Sehr schöne Idee, vielen Dank.
    Herzliche Grüsse

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