Gedankenwirrwarr & Ruhrpott

Meine ganz eigene Welt

Titel ohne Namen

Hinterlasse einen Kommentar

Ich könnte das folgende Ereignis eigentlich mit „Mein erstes Mal“ betiteln, aber dann denkt jeder unwillkürlich an Kopulation und das ist nicht der Sinn und Zweck der Übung. Aber, und das möchte ich doch gerne noch einschieben, beide Ereignisse waren doch recht konfus und unübersichtlich für mich. Das eine lass ich mal bei Seite und das andere, das weiß ich, würde auch nicht durch eine Wiederholung vielversprechender.

Großraumbüro. Wer kommt auf die Idee, haufenweise Menschen in einem Raum mit Pflanzen einzusperren? Acht Stunden mit Bildern seiner Liebsten, die Frau mir gegenüber hatte Hundefotos, auf´m Tisch, sitzt man mit Leuten, die man niemals eingerahmt zur Schau stellen würde, in einem Verlies, das kaum größer als das eigene Wohnzimmer ist und dann erhofft sich jemand auch noch gute Laune.

Ich war vor ein paar Wochen auf einer Tagung, als wäre dies nicht schon schlimm genug, zwang man mich nun mit Geld, jetzt eine Art Protokoll zu erstellen um der Nachwelt etwas zu hinterlassen. Ein bei weitem viel tragischer Held durfte vorher aus den Tonbandmitschnitten eine schriftliche Kopie erarbeiten. Dieses Ding, was vom Umfang das Gesamtwerk „Der Herr der Ringe“ bei weitem in den Schatten stellte, sollte auf das Wesentliche gekürzt und beschnitten werden. Nun könnte man ja meinen, der menschliche Kopierer hätte die Aufgabe übernehmen können, aber meine Vermutung ist und bleibt, dass dieser sich in Gollum wandelte und nun versuchte in Bedburg-Hau (ein geflügeltes Wort für die Geschlossene in dem Niederrhein-Kaff) neue Besinnung und inneren Frieden mit gedankenerneuernder Chemie zu finden. Was eine durchaus reizvolle Sache seien kann. Nun bat man mich seine Arbeit zu beenden. Ein Blick in meinen Kühlschrank ließ mir keine andere Wahl. So sagte ich am Telefon freudig verlogen, wie sehr mich diese spannende Aufgabe reizen und herausfordern würde.

Auf dieser Tagung wurde wieder einmal darüber gefachsimpelt wie man das Ruhrgebiet zum größten Freilichtmuseum der Welt renaturieren könnte. Diese Art von Veranstaltungen gibt es im Jahr mehr wie der Pott ausrangierte Fördertürme hat und so pilgern die Städtebauheilsverkünder und andere Missionare für reichlich Kollekte aus aller Welt hier hin um dem Pottler zu erklären wie die Dörfer Bottrop, Castrop-Rauxel, Marl, Wanne-Eickel oder Dorsten weit über Landesgrenzen hinaus strahlen könnten, anstatt nach Lourdes. Wohl wissend, dort würde sie eh nur Gottes Zorn und der Blitz treffen.

Es wird verkündet, was Bochum und Berlin gemeinsam haben. Natürlich nur den Anfangsbuchstaben, aber so genau möchten die Prediger nun auch nicht ins Detail gehen. Erst kürzlich erklärte ein Papst: Dass das kulturelle und künstlerische Denken in Duisburg im nichts dem vom „Big Apple“ nachstehe. Dabei stimmen nicht mal die Anfangsbuchstaben überein.

So saß ich auf Zeche, betrachtete die Power-Point Präsentationen an einer überdimensionierten Leinwand und lauschte den seligsprechenden Worten eines außer örtlichen Städteplaners, dass nur an wenigen Stellschrauben schrauben genüge, und man nenne Dorsten und Dubai in einem Atemzug.

Und nun, Wochen später fragte ich mich, ob diese Worte zum wesentlichen Teil dieses Fantasy Romans gehören würden. Ich schaute auf meiner Namensliste, auf der genaustens verzeichnet wurde, wer alles in dem Kurz-Protokoll vorkommen muss. Vorstände, Professoren, Heilige und der Dubai Vergleicher war auch dabei. Viel Gehirnschmalz wurde mir nicht abverlangt, nur die Anwesenheit in der verantwortlichen Agentur.

Mein erstes Mal in einem Büro mit reichlich Menschen, die obendrein allesamt meine Töchter oder Söhne hätten seinen können. Der Platzanweiser führte mich an einen Tisch und meinte noch beim Abgang, ich könnte es mir wohnlich machen, wohl in dem irrigen Glauben, dass es Menschen gäbe, die mich mögen und die ich einrahmen würde um sie ständig anzusehen. Fügte dann noch einseitig, freudig erregt hinzu: Es könnte ja ein paar Tage dauern. Ich glaube, er sah in meinen Augen Schrecken und Entsetzen als stünde nicht er, sondern Stephen Kings Clown vor mir.

Saß auf einem quietschenden Teil namens Bürostuhl, las ein paar Zeilen aus dem Roman und lauschte dabei den lieblichen, holden Worten des gottesfürchtigen, jungen Fräuleins neben mir. Sie war der absolut festen Überzeugung, dass nur noch mit Gotteshilfe dieses dämonische „InDesign“ Programm in die Spur zu bekommen sei und wohl nur er wüsste, in welchem Kack-Ordner das Drecksbild seien könnte. In ihrem Alter hat mir meine Mutter noch den Mund mit Seife ausgespült. Schlechthin bin ich immer davon ausgegangen, dass mein ausgiebiger, mehrsprachiger, vulgärer Wortschatz nicht zu toppen sei. Aber was die Dame da über ihre sinnlichen Lippen brachte versetzte mich in schiere Verzückung und lässt mein Glauben an die kommenden Generationen doch wieder steigen und hoffnungsvoll in die Zukunft blicken. Überhaupt wetteiferte hier jeder gegen jeden, als gäbe es am Ende des Tages ein Siegerkränzchen oder Fleißkärtchen für herausragende Hörereignisse. Auch war mir gar nicht bewusst mit wie viel Hingabe man sich Schokotäfelchen, Gummi-Bärchen oder anderem Haribo Krimskram, der in solch unvorstellbaren Mengen herumlag, dass selbst das Haribo Factory Outlet Teil in Solingen vor Neid erblassen würde, hingeben kann um dann wiederum jedem, über Tisch und Computer hinweg, zu verkünden, dass man keine Lust auf Sport und das Bananen reichlich Fruchtzucker enthalten. Meine Hunde-Dame mir freudig, brünstig offenbarte, dass es morgen reichlich Zucker in Form von selbstgemachtem Kuchen gäbe und ich feststellte, dass ich immer noch bei meinem Dubai-Heini festhing, während sie mir obendrauf gestand, dass heute Abend ihre Lieblingsserie, von der ich in meinem ganzen Leben noch nie etwas gehört habe, auf Netflix, weiß der Geier, was dass nun schon wieder ist, läuft und mir klar wurde, ich werde heute Abend den ganzen Kram mit nach Hause nehmen um voran und hier raus zu kommen.

Ich bin zu alt für das erste Mal.

Advertisements

Autor: rejekblog

Ich bin 1964 in Duisburg geboren und lebe fast die ganze Zeit im Ruhrpott. In meinem Blog möchte ich gerne etwas über den Ruhrpott erzählen und was hier so los ist. Und natürlich, was so in meinem Kopf los ist. Nicht viel, ich gebe es zu.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s