Gedankenwirrwarr & Ruhrpott

Meine ganz eigene Welt

Creative Stage – emma&maille – Jazz auf´m Platz – und zwei wunderbare Abende

3 Kommentare

Am Mittwoch Abend lud die Kreativwirtschaft Ruhr mal wieder zu einem tête-à-tête ein. Häufig stellen sich dann junge, kreative Designerinnen aus Mode, Photo, IT oder Illustration vor. Manchmal gehe ich hin, meist nicht. Nicht, dass man meint, mich interessieren die Leute nicht. Es hängt bei mir von der Tagesform, Lust, Laune und überhaupt der Groß-Wetter-Lage. ab. So ist es schon mal passiert, dass man mich nach Frankfurt einlud, ein drei Tage Kongress, und ich mich schon am ersten Tag zwischen ein paar dutzend Japanern in der Drosselgasse in Rüdesheim mit viel Wein wieder fand und am nächsten Morgen auf einer Parkbank. Aber diesmal ging ich hin. Mich haben zwei junge Damen interessiert, die sich an diesem Tag vorstellten. Sie haben ihr Studio, Atelier, “emma&maille design“ direkt bei mir um die Ecke. Nur ein paar hundert Meter in einem kleinen, angrenzendem Café, „KrümelKüche“ in Duisburg-Hochfeld, sind sie ansässig. In dem Café war ich zwar schon einige Male, aber ich muss zugeben, dass diese Art von Café-Welt nicht meine ist. Obwohl das Lädchen sehr viel Charme, Hinterhof-Idylle und hervorragenden Kaffee hat.

Ich tue mich allerdings etwas schwer mit dem veganen Leben und der damit verbundenen riesigen Auswahl an „Milchersatzprodukten“ zum Kaffee: Kokosmilch, Sojamilch, Reismilch, Mandelmilch. Ich halte es zwar generell wie der Alte Fritz: Jeder soll nach seiner eigenen Fasson selig werden. Aber für mich ist hier nichts dabei. In dem Lokal weist ein kleines Schildchen, von der Decke baumelnd, auf das Atelier der beiden Damen hin und eigentlich wollte ich da schon immer mal reingeschaut haben. Sie nähen, stricken, klöppeln direkt vor Ort ihre eigene Modelinie und werkeln sonst noch kreativ. Da ich von Natur aus sehr neugierig aber stinke faul bin, stehe ich mir meist selbst im Weg. So ging ich Mittwoch Abend ins Lehmbruck Museum, wo die Veranstaltung in einem wunderbaren Rahmen stattfand, um mehr über sie zu erfahren.

So lauschte ich gespannt dem sehr sympathischen, humorvollen, charmanten, leidenschaftlichen, enthusiastischen, stotternden Vortrag der beiden „Mädchen“. Sie steckten mich mit ihrer liebevollen Begeisterung an. So, dass ich direkt am nächsten Tag ins Café ging und dort leider vor verschlossen Atelier Türen stand. Was aber der ganzen Sache keinen Abbruch tat, da mir nun genügend Zeit blieb auf das Duisburger Innenstadt Fest „Jazz auf´m Platz“ zu gehen. Jeden ersten Donnerstag im Monat findet es in den Sommermonaten vor dem Stadttheater statt und fällt somit auch immer auf den donnerstäglichen Bauernmarkt, der, Gott sei´s gepriesen, mittlerweile aus mehr Weinständen wie Äppelständen besteht.

Nur habe ich dummerweise nicht mitbekommen, dass die erste Stunde eine reine Tanzstunde für, mit, wie auch immer, lateinamerikanischen, cubanischen Rhythmiken war, und halt die Zeit des Disco-Fox endgültig vorbei ist. Ich sehnte mich nach der Zeit von Boney M und halbwegs beweglichen Hüften zurück. Ich beobachtete ein älteres Pärchen, das elegant, geschwind, verliebt sich über das Straßenpflaster bewegte und sie sich in Gänze von ihm führen ließ. Mein kleines Herz seufzte. Und ich mich fragte, wie man es schafft so lange verliebt, vertraut, vereint zu sein. Ich lebe nun schon 15, 16 oder 17 Jahre, habe die Zeit vergessen, mehr oder weniger allein.

Jazz am Platz6

Nicht jeder ist dafür gemacht. Ich sehe aber anderen gerne dabei zu. Mit cubanischer Musik ging es den ganzen Abend weiter. Unaufhörlich ließ der junge Sänger seine Hüften zur Musik kreisen, tanzen, schwingen und ich erinnerte mich daran, wie ein Dame mir mal erklärte: „Wenn ein Mann gut tanzen kann, dann ist er auch gut im Bett. Ein untrügliches Zeichen.“ Vollkommen frustriert und desillusioniert trank ich noch aus und ging. Nein, natürlich nicht! Passte gerade so nett. Natürlich blieb ich.

Und ich blieb auch hier bis weit nach 23.00 Uhr. Verbrachte den Abend mit einer sehr charmanten Frau meines Alters, die mir unablässig erklärte, dass es keine netten Typen mehr gibt. „Entweder sind sie verheiratet oder schwul. Und die aus´m Internet kann man eh alle vergessen.“ Ich musste unweigerlich grinsen. Ich war da, und auch nicht. Sie kramte aus ihrer Handtasche die fast leere Weinflasche und gab sich den Rest. Ich dachte an das ältere Pärchen. Ich liebe diese lauen Sommerabende bei Jazz-Musik auf´m Platz.

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Autor: rejekblog

Ich bin 1964 in Duisburg geboren und lebe fast die ganze Zeit im Ruhrpott. In meinem Blog möchte ich gerne etwas über den Ruhrpott erzählen und was hier so los ist. Und natürlich, was so in meinem Kopf los ist. Nicht viel, ich gebe es zu.

3 Kommentare zu “Creative Stage – emma&maille – Jazz auf´m Platz – und zwei wunderbare Abende

  1. Wie gut, dass ich Deinen stimmungsvollen Beitrag gelesen habe:
    „Jazz auf´m Platz“ – jeden ersten DO in DU kannte ich noch nicht.
    Das ist ein toller, merkenswerter Tipp.
    Und das Lehmbruck-Museum: danke für Deinen Anstoß.
    Seit Jahren habe ich mir vorgenommen, es zu besuchen.
    Nun werde ich es auch endlich in die Tat umsetzen.
    Grüße aus der Nachbarschaft!
    Lo

    Gefällt 1 Person

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