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Der Seseke-Radweg – Kunst, Kultur, Kaffee zwischen Lünen, Kamen und Bönen – eine Reise wert

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Seseke Peter Rejek

Vor ein paar Jahren bat man mich, mich einmal dem Seseke-Radweg zu widmen. Was ich natürlich aufgrund meiner notorischen, monetären Klammheit gerne machte. Was ich in meinem „jugendlichen“ Leichtsinn nicht bedachte und eigentlich der Name schon beinhaltet: Radweg; hier war Fahrrad fahren angesagt. Ich habe generell nichts gegen Rad fahren. Da ich zentrumsnah wohne, radle ich fast täglich in die Duisburger Innenstadt, nur um schon an Rosie´s Büdchen meinen Nachmittagskaffee zu trinken, aber so touristische Wege sind nicht ganz so mein Fall. Also klemmte ich mein Fahrrad an das Auto und packte die Hunde ein und fuhr Richtung Lünen, hier mündet das Flüsschen Seseke in die Lippe. Die Seseke ist somit auch der Namensgeber für den Radweg, Die Seseke ist der größte Nebenfluss der Lippe und entspringt nördlich vor Werl-Holtum. Nach 32 Kilometer Fließweg landet sie dann in Lünen. Das Flüsschen zeichnet sich nicht nur dadurch aus, dass es recht beschaulich durch eine durchaus reizvolle Landschaft plätschert, sondern auch durch reichlich Kunst rechts und links des Weges. Man gab sich sehr viel Mühe den Fluss attraktiv zu gestalten. Was meiner Meinung nach äußerst gut gelungen ist. Hier nur ein paar wenige Ansichten.

Lünen

Am Rande der Lüner Innenstadt, in unmittelbarer Nähe der Sesekemündung in die Lippe, liegt inmitten von Grünanlagen das Schloss Schwansbell. Das Schloss ist eines der jüngsten Adelshäuser in Westfalen. Dort, wo das heutige Gebäude steht, wurde ab 1189 eine mittelalterliche Wasserburg errichtet, die der Stammsitz der Ritter von Swanebollen war. Die alte Burg, an die lediglich noch der Sockel eines Rundturms erinnert, lag auf einer Insel, deren Gräfte von der Seseke gespeist wurde. 1829 ging die ehemalige Wasserburg durch Erbschaft in den Besitz der Grafen von Westerholt über. Nach einem Brand im Jahre 1850 wurde die stark verfallene Burganlage abgerissen und in den Jahren 1872-75 von Wilhelm von Westerholt als Wasserschloss wieder aufgebaut. Entworfen wurde das im neugotischen Stil errichtete Herrenhaus mit zwei polygonalen Ecktürmen und Mittelrisalit von dem Dortmunder Baumeister Fritz Weber.

Weiter auf dem Radweg immer Richtung Kamen stößt man auf die geschwungene Holzskulptur „Hogarth’s Dream“ der Wuppertaler Künstlerin Diemut Schilling. Das Kunstwerk ist ein beliebter Rastplatz. Die zweiteilige Installation in Lünen unweit des Datteln-Hamm-Kanals nimmt Bezug auf den englischen Maler William Hogarth und wiederholt die im 18. Jahrhundert als Ideallinie beschriebene geschwungene Flusswindung. Die Künstlerin ergänzte im Jahr 2013 die „Holzbank“ mit einer Audio-Installation. Sie entwickelte mit Anwohnern und der Siedlergemeinschaft „In den Telgen“, die von Anfang an die Patenschaft für das Kunstwerk übernommen hatten, ein Klangkonzept. Die Bank gibt kleine akustische Erlebniswelten preis.

Nicht unweit des Kunstwerks Richtung Kamen quert der Seseke-Weg die Seseke und ein Radweg-Schild weist nach Oberaden auf die Römer-Lippe-Radroute. Ein Abstecher lohnt sich. Denn dort befindet sich der Römerpark Bergkamen. Um den interessierten Besucher das Leben der Römer in Oberaden zu veranschaulichen, erarbeiteten der „Verein der Freunde und Förderer des Stadtmuseums Bergkamen e.V.“ und die Stadt Bergkamen einen archäologischen Lehrpfad. Der Rundweg besteht aus 15 Informationstafeln in Gestalt römischer Feldzeichen (vexilla). Sie führen zu den wichtigsten Fundorten des bedeutenden Bodendenkmals aus der Zeit der augusteischen Germanienfeldzüge.

Kamen

Das Künstlerduo Winter/Hoerbelt positionierte im Rahmen des Kunstprojektes „ÜBER WASSER GEHEN“ 2010 eine große, verspiegelte „Pixelröhre“ an der Mündung der Körne in die Seseke in Kamen. Die circa drei Meter große, mit fünf Zentimeter großen Facetten verkleidete Röhre nimmt Bezug auf das ehemals kanalisierte Gewässer und die benachbarte Kläranlage Kamen als Endstation eines Kanalsystems. In der gerasterten Stahlhaut spiegeln sich der neue Fluss und die Betrachter wie in einem grobpixeligen Foto. Und wenn man schon in Kamen ist, sollte man auf jeden Fall den alten Marktplatz besuchen und dort eine Rast einlegen. In einen der zahlreichen Gaststätten einkehren und sich es bei Kaffee und Käsekuchen gut gehen lassen. Ich empfehle allerdings artgerecht einen „Radler“.

Weiter Richtung Bönen begegnet man der 12 m breiten und 3,50 m hohen Arbeit „JETZT und der Fluss“ von Christian Hasucha. Er thematisiert Zeit und Veränderung. Von schweren Steingabionen gefasst, formen sich die Umrisse des Wortes „Jetzt“ und lassen den Blick frei auf die langsam vorbei fließende Seseke und ihre stete sich ändernde landschaftliche Entwicklung. Das Wort „Jetzt“ formuliert zwar einen Zeitpunkt in der Gegenwart, ein Blick durch die Skulptur zeigt jedoch: ein Jetzt lässt sich gar nicht bestimmen, gar nicht festhalten. Was man sieht, ist immer eine Sequenz in einem Veränderungs-Prozess eines sich stetig verändertem Gewässer.

Bönen

In alten Urkunden wird Bönen auch „Boynen“, „Boinen“ oder „Boine“ geschrieben. Diese Schreibweise geht auf die altdeutschen Wörter Bön, Bün oder Bühn zurück und drückt eine erhöhte Lage aus. Um das Jahr 1032 wird Bönen in den Werdener Heberegistern genannt. Der Ort bestand zunächst nur aus einer Ansammlung von Bauernhöfen, bis 1899 der Schacht 3 (zwei Jahre später Schacht 4) der Zeche Königsborn abgeteuft wurde. Es entwickelte sich eine Bergarbeitergemeinde, die in Spitzenzeiten bis zu 20.000 Einwohner zählte. 1981 wurde die Schachtanlage geschlossen.

Das einzige Bauwerk, das von der Schachtanlage der ZecheKönigsborn III/IV geblieben ist, ist der vom Architekten Fischer im Jahr 1929 errichtete und unter Denkmalschutz stehende Förderturm. Mit einer Höhe von mehr als 60 m ist er ein weithin sichtbares Wahrzeichen der Gemeinde Bönen. Am 7. August 1999 präsentierte Mischa Kuball die von ihm geplante Lichtkunst „Yellow Marker“, bei der zwei gegenüberliegende Ecken des Turms mit gelben Leuchtröhren nachts erhellt werden. Dabei bildet der Förderturm in Bönen den Ostpol und der ebenso illuminierte Förderturm des Bergwerks Rossenray im 80 km entfernten Kamp-Linfort den Westpol, welche die Kultur– und Industrieregion der Metropole Ruhr umschließen.

Der Start- oder Zielpunkt des Weges ist der „Treffpunkt Sesekeweg“ in Bönen-Flierich. Der „Treffpunkt Sesekeweg“ ist eine Rampe mit Aussichtsplattform in der Seseke- Aue hinter dem Sportplatz Butterwinkel. Das Dorf beteiligte sich erstmals 1985 an dem Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“ und errang die Bronzemedaille auf Landesebene, 1993 die Goldplakette und auf Bundesebene die Silbermedaille. Den Mittelpunkt Flierichs bildet die im späten 12. Jahrhundert aus weichem Anröchter Sandstein erbaute und dem Heiligen Michael geweihte evangelische Dorfkirche, umgeben von einer für das Mittelalter typischen fachwerklichen Rundbebauung. Im Inneren birgt die Kirche einen hängenden, achteckigen Kanzelkorb mit Schalldeckel aus dem Jahr 1750. Das kleine Dörfchen ist wahrlich eine Reise wert und der kleine Biergarten ein absolutes muss für jeden Radler. Hier sollte man sich stärken, denn jetzt muss man den ganzen Weg wieder zurück nach Lünen, falls man dort sein Wagen geparkt haben sollte.

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Autor: rejekblog

Ich bin 1964 in Duisburg geboren und lebe fast die ganze Zeit im Ruhrpott. In meinem Blog möchte ich gerne etwas über den Ruhrpott erzählen und was hier so los ist. Und natürlich, was so in meinem Kopf los ist. Nicht viel, ich gebe es zu.

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