Gedankenwirrwarr & Ruhrpott

Meine ganz eigene Welt

Haus Hartenfels – eine große Liebe – unter Hochdruck – und wie romantisch können Teelichter sein?

Hinterlasse einen Kommentar

Haus hartenfels1

Ich weiß nicht, ob ich ein romantischer Mensch bin. Eigentlich weiß ich nicht mal so genau, was das heißt: Romantisch. Ich weiß nur, was ich daran merkwürdig finde. Merkwürdig finde ich die Art von Romantik, die mir in den Serien wie Bauer sucht Frau, Dicker sucht Doofe oder Mutter sucht Schwiegersohn, zur Schau gestellt wird. Immer. Immer wieder kommt der Moment, wo der „Herr der Zärtlichkeit“ seiner holden Maid mit einem romantischen Abend beglückt. Und immer, immer wieder liegen Unmengen an Teelichter in Herzchen-Form auf einem Billig-Laminat in einem recht trostlosen Wohnzimmer auf´m Boden. Und damit das Herz seiner Angebeteten richtig frohlockt, streut er noch Milliarden von abgezupften Rosenblättern um das klägliche Gebilde. Und da es nun mal so schön heißt: „Ich bette dich auf Rosen“. Legt er noch obendrauf eine Bahn von roten Blütenblättern ins heimeliche Schlafzimmer, wo Kräcker, Käse, Träubchen und Rotwein auf die hoffentlich baldige Angetraute wartet. Liebe geht halt durch den Magen. Und das Einzige, dass mir dabei in den Sinn kommt, ist: Wer macht den ganzen Mist weg? Ich wäre vom Essen und dem erhofft folgendem Liebesakt vollkommen erschöpft; und dann soll ich Kerzen ausblasen? Kehrblech und Feger aus der Küche holen? Da platzt bei mir die Blase der Romantik. Schluss mit Lustig. Bin ich unromantisch? Ich stehe nicht so auf Reime, Verse oder komplizierte Sprachrhythmik, mag es doch eher prosaisch. Aber dennoch gibt es Geschichten die mein Herz berühren, so dass es ein leises Seufzen von sich geben muss. Wie die Geschichte um Haus Hartenfels.

Vor ein paar Jahren bat man mich etwas über das altehrwürdige Gebäude im Duisburger Stadtwald zu schreiben. Ein fast in Vergessenheit geratenes „Dornröschen-Schloss“. Es steht seit fast 60 Jahren mehr oder weniger leer. Also ging ich ins Stadtarchiv und recherchierte in den alten Zeitungen nach einer Story. Googlen kann jeder. Also las ich Berichte aus der Zeit der Planung und Erbauens des, im neoromantischen Stil errichten, schlossartigen Landsitzes der Unternehmerdynastie Klöckner, die einst im Ruhrgebiet eine fast genauso bedeutende Rolle inne hatte wie Krupp in Essen. 1911 bezog Peter Klöckner mit seiner zweiten Ehefrau Hanna das Haus und taufte es Hartenfels. Kurz zuvor machte er ihr einen Heiratsantrag in unmittelbarer Nähe von Burg Hartenfels im Westerwald und um wohl diesen romantischen Moment in Stein zu hauen und somit zu verewigen, nannte er ihr neues Heim: „Haus Hartenfels“. Romantik pur, schoss es mir durch den Kopf. Und mein Herz seufzte. Ab da, symbolisierte das Gebäude für mich nicht einstige Stahldynastie, sondern eine große, ewige Liebe. Und ab da liebte ich das Haus mit seinem Turm, den unzähligen Balkonen, Erkern, Wintergärten und holzvertäfelten Wänden. 3800 qm Wohnfläche für eine kleine Familie, aber mit großen Gefühlen. Und ich?

Ich kam mir mit meinen eigenen Aktionen so profan vor. Ich schenkte meiner zweiten Ehefrau ein Hochdruckgebiet. Einen bestimmten Anlass gab es dafür nicht, außer, dass ich sie sehr liebte und die ganze Welt sollte es, anhand einer TV-Wetterkarte, erfahren. Ein Hochdruckgebiet mit Namen „Sabine“ sollte ganz Deutschland erfreuen. Ich weiß nicht mehr genau wie das Prozedere für so eine Patenschaft im einzelnen ablief. Ich meine, so im September 2004 habe ich mich via Internet für eine Patenschaft bei dem Institut für Meteorologie FU Berlin angemeldet und am 24.10. 2005 huschte unter Hochdruck „Sabine“ über Deutschland. Ganz schön romantisch? Sie hatte mich 5 Monate zuvor verlassen. Da flog sie nun so dahin.

Ich habe es nicht so mit der Romantik. Beim nächsten Mal fahre ich lieber nach IKEA und erwerbe säckeweise Teelichter.

Advertisements

Autor: rejekblog

Ich bin 1964 in Duisburg geboren und lebe fast die ganze Zeit im Ruhrpott. In meinem Blog möchte ich gerne etwas über den Ruhrpott erzählen und was hier so los ist. Und natürlich, was so in meinem Kopf los ist. Nicht viel, ich gebe es zu.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s