Gedankenwirrwarr & Ruhrpott

Meine ganz eigene Welt

Ist Computertomografie-Ansagerin ein Ausbildungsberuf?

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Heute war wieder einer dieser Tage, die ich mit warten verbrachte. Warten auf den Arzt. Man hatte ja Wochen vorher einen Termin vereinbart. Einen Termin für morgens beim Radiologen. Kommen Sie ruhig etwas früher“ meinte vor Tagen der freundliche Engel mit den Goldlöckchen hinter der Rezeption. Warum?“ frage ich mich gerade.

Da sitze ich nun, warte. Warte darauf, dass das milchige Kontrasthilfsmittel, welches ich gerade lieblos vorgesetzt bekam, wirkt und ich auf den Bildern des Computertomografie Automat leuchte wie eine Weihnachtsbaumlichterkette.

Von meinen Östrogenen gesteuert greife ich gelangweilt nach einer der Zeitschriften, die wohl drapiert auf dem Tisch liegen. Gala. Schaue mir die schönen Menschen auf den Hochglanz-Seiten an und fange unweigerlich meinen Körper an zu hassen. Neben Falten, grauen Haaren leistet die Schwerkraft ihr übriges dazu. Höre meinen Namen, falsch ausgesprochen, da aber kein anderer sich reckt, war wohl ich gemeint und es folgte die Routine nach: the same procedure as every mounth. Ausziehen, in die Röhre legen, Kanüle in den rechten Unterarm und nach ein paar Minuten kommt sie endlich: Die Stimme. Leise, fast hauchend, aber bestimmend: „Tief einatmen. Luft anhalten. (lange Pause) Ausatmen. Langsam weiteratmen.“

Endlich. Und gerne folgt man der Anweisung. So wie man der Stimme seines Navigationsgeräts folgt. Unweigerlich fragt man sich: Ob CT-Ansagerin ein Ausbildungsberuf ist? Sitzt irgendwo eine Legion von Professoren und nimmt einem die mündliche Prüfung ab? Und haucht eine niedliche Studentin die berühmten Worte in ein Mikro? Oder bespielt der Hersteller die CT-Geräte? Haben die eine junge Dame, die in 71 Sprachen „ausatmen“ sagen kann? Und lernt sie gerade klingonisch? Man will ja schließlich unternehmerisch expandieren. Mit all diesen Fragen vertreibe ich mir die Zeit in der summenden Röhre. Und dann ist Schluss. Nachbesprechung.

Ich gehe wie immer direkt nach Hause. Ich reagiere etwas allergisch auf das blöde Kontrastmittel. Nicht viel, nicht schlimm, aber komischerweise juckt mir danach der Hintern und ich finde es dann nicht so erbaulich für meine Umwelt, wenn ich „Arsch kratzenderweise“ durch die Duisburger City flaniere. Vor drei Jahren entdeckte man Unterleibskrebs. Es folgte eine OP und Chemo. Dank dieser wunderbaren Röhrentechnologie fand man bald darauf bei mir Lymphknoten Krebs und zu guter Letzt Lungenkrebs. Man überhäufte mich mit OP´s, guten Wünschen und, neben Kaffee und Kuchen, gab es Chemo satt. Es folgte, neben reichlich schlechter Laune, totaler Haarausfall und die Erkenntnis, dass ich ganz schön Eitel bin.

Heute hat man mal nichts gefunden – d. h. Ausatmen.

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Autor: rejekblog

Ich bin 1964 in Duisburg geboren und lebe fast die ganze Zeit im Ruhrpott. In meinem Blog möchte ich gerne etwas über den Ruhrpott erzählen und was hier so los ist. Und natürlich, was so in meinem Kopf los ist. Nicht viel, ich gebe es zu.

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